[Reiseblog] Klatschnass in Murcia

Regnerische Grüße aus Murcia! Wir haben gestern binnen weniger Stunden knapp 600km hinter uns gelegt und sind nun gefährlich nahe an einer Möglichkeit ein Boot rüber auf die Kanaren zu finden. Doch beginnen wir vorne: 

Es sollte unser vorerst letzter Tag in Barcelona sein, das war vorher schon klar. Für uns beide war es hilfreich eine Deadline zu haben, da wir ansonsten wohl immer weitere Gründe gefunden hätten dort zu bleiben. Das Leben wollte es uns nicht einfach machen, denn erst am letzten Tag erbot sich für Jakob und mich jeweils die Gelegenheit alleine einen Raum mit den Frauen zu bekommen, die wir so gerne gewonnen hatten. Jakob stand am Morgen besonders früh auf, um sich mit Ella zu treffen. Sie ist die junge Studentin, die ab und zu das Squad besuchen kommt. Mich kam Lena noch besuchen, die als Freundin einer Mitbewohnerin mal einen Nachmittag bei uns war und wir uns dann am Tag darauf „zufällig“ beim Recyceln wieder sahen. Wir konnten beim Spazierengehen mit Ion (Hund) die gemeinsame Zeit ausklingen lassen. 

Es tut gut. Wir beide hätten uns sicher problemlos verlieben können, doch irgendwie ist uns auch klar, dass dies nicht hier und jetzt geschehen sollte. Vielleicht ein ander mal, wenn wir wiederkommen. 

Es ist schön, dass diese herrlichen drei Wochen in Barcelona romantisch ausklingen konnten. Ich habe wirklich selten so angenehme Zeiten erlebt, mich so wohl gefühlt bei Menschen, wie dort. 

Und so taten wir gut daran die letzten Stunden mit den Menschen zu verbringen, die wir über die vergangenen drei Wochen besonders ins Herz geschlossen hatten. Adrian, Jaume und Sara waren nämlich als einzige noch im Squad, als wir uns verabschiedeten. Jaume und Sara haben uns zu ihren Familien nach Valencia eingeladen, um dort Weihnachten zu verbringen. Ich habe mit beiden noch einen langen Augenkontakt gehabt und bin mir sicher Freunde für mein weiteres Leben gefunden zu haben. Das weiß ich, weil wir uns schon verstehen, wenn wir uns nur ansehen. 

Danach gibt es die Möglichkeit Neujahr gemeinsam wieder in Barcelona zu feiern. So sehr mein Herz sich nach diesen Menschen auch sehnt, ich denke, dass sobald ich mehr als eine Tagesfahrt entfernt bin, ich nicht wieder zurückkommen werde. Dann ist mir der Aufwand zu groß, der Weg zu unnatürlich. Und diese Entfernung haben wir nunmal bereits nach wenigen Stunden hinter uns gelegt. 

Jaume beschrieb uns in bester Manier, weil er wahrlich ein guter Freund ist, auf den man sich verlassen kann, in allen Einzelheiten den Weg zum besten Tramperstartpunkt, um nach Valencia zu kommen. Das war, als wir gegen 15 Uhr gemächlich starteten, unser Tagesziel. 

Während des Weges zur Auffahrt konnten wir in Ruhe bei uns ankommen, uns auf das Trampen einstellen und vor allem Abschied nehmen von dieser bewegenden Stadt. Das war auch echt nötig, war doch trotz allem unser Aufbruch irgendwie so unvorhergesehen eingetreten. 

An der ersten Tankstelle trafen wir zwei freundliche Truckfahrer, mit denen wir noch etwas Zeit verbrachten, uns entspannten und ich Ihnen mit etwas Weed aushelfen konnte. Sicher eine halbe Stunde haben wir vergebens Menschen angesprochen, ehe es mir tatsächlich das erste mal gelungen ist auf spanisch nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen. Was ein Erfolgserlebnis! Der nette Mann nahm uns knapp 70km mit. An der nächsten Tankstelle angekommen wurde es schon dunkel. Wir hatten zunächst abermals kein spontanes Glück, sodass wir die Zeit nutzten um etwas Essen zu retten. Nachdem wir uns die mit Schokolade selbst gefüllten Baguettes gegönnt hatten, warfen wir noch eine Weile Steine in einen Mülleimer. Leider hat keiner von uns beiden getroffen, aber unsere Laune stieg zunehmend! 

Mit der frischen Energie war klar, dass wir jemanden zum weitertrampen finden werden. Wir hatten kurz besprochen – wir checken immer mal wieder das gegenseitige Befinden ab – dass dort nicht übernachten wollten. Einige Minuten vergingen, dann fuhr plötzlich ein Audi Q4 mit Vollgeschwindkeit an. Zwei junge Kerle stiegen aus. Nachdem ich zu Jakob sagte „Boah die liebe ich ja. Große Karre. Wahrscheinlich noch Sitzheizung. Und fährt schnell.“ und er mit einem saftigen Highfive erwiderte „Ja man, ich auch!“ war endgültig jedem klar, dass dies unsere Gelegenheit war. Die beiden hatten zwar den gesamten Kofferraum voll mit Babykram und Weihnachtsgeschenken, aber wir scheinen eine natürliche Verbindung zu Menschen aus Großbritannien zu haben. Denn nachdem sie kurz in der Tankstelle waren, kamen sie raus und signalisierten uns mitnehmen zu wollen. Das Ding war, dass sie auf dem Weg nach Málaga waren, was für uns größtes Glück bedeutete. Zweieinhalb Stunden später mit durchschnittlich 190km/h auf der Autobahn steigen Jakob und ich hinter Alicante, vor Murcia, an einer Raststätte aus. 

Meine ganz persönlichen Stunden im Auto waren vor allem von etlichen Trips geprägt, die sich durch das Zusammenspiel der richtig dicken Tüten, die Skinny – der in Spanien wohlhabend lebt, weil er in Irland ein Unternehmen betreibt welches Paintballwaffen herstellt – vorgefertigt auf dem Beifahrersitz im Akkord anzündete, der farbintensiven Autolichter, der rasanten Geschwindigkeit, meines Gedankeneintauchens und der unnormal lauten Musik ergaben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, aber ich hatte fantastische Gedanken und ekstatische Gefühle! 

Hier, nahe Alicante, befinden wir uns noch während dieser Zeilen, es ist nun 9 Uhr. Um 6 Uhr sind wir notgedrungen aufgestanden, da wir klatschnass waren. Jakob wollte zunächst liegen bleiben, er wartete auf meinen Impuls, den ich dann gerne gab, nachdem selbst das Innere meines Schlafsackes nass und kühl wurde. Ich hatte am Vorabend bemerkt, dass sich aufgrund der Wolken Regen nähert, war jedoch zu bequem gewesen darauf zu reagieren und mein Zelt aufzubauen. Egal. Drinnen bekamen wir zwei heiße Kakao gespendet, wir können abermals Essen retten und derweil trocknen unsere Sachen. Alles hat seinen Sinn.

Wir sind entspannt und im Flow. Wir haben einen gesunden Abschied nehmen können, uns selbst den Raum gegeben uns wieder auf das Reisen einzustimmen und uns dabei alle Zeit gelassen. Gut Ding braucht Weile. 

Wieder mal sind wir mit Gelassenheit deutlich über unser Tagesziel hinausgeschossen, sodass es heute absehbar ist bereits in Sevilla oder Cádiz (von dort fahren die Boote!) anzukommen. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: