[Reiseblog] Fuer immer in Barcelona?

Wir haben schoene Tage hinter uns
Irgendwie ist die Zeit in Barcelona, damit meine ich in erster Linie das Leben innerhalb dieser intakten Gemeinschaft auf den Bergen, wohltuend und inspirierend. Zunehmend, ich habe das nicht wirklich kommen sehen, zumal die Ankunft von Adrian, Joanna und Jaume viel bewegt hat. Womoeglich bleiben wir beide doch noch etwas hier, es eilt ja nicht.
(Achja, ich habe die Menueleiste etwas angepasst, sodass ihr alle Reiseberichte nun findet, indem ihr oben die Kategorie anklickt.)

Jakob wanderte vor zwei Tagen ins La Experimental, ein groesseres Kuenstlkersquad auf den Bergen Barcelonas, aus. Dort wird fuer gewoehnlich lange gefeiert und musiziiert, ich bin am Tag zuvor nicht mehr nachgekommen, weil mir die Stimmung im Squad so gut gefallen hat und ich mit den wenigen Menschen dort eine wunderbar schoene Zeit hatte.
Erst heute haben sich unsere Wege wieder gekreuzt.

(Jakob) Endlich mal wieder richtig gute Musik gemacht. Einen Ort gefunden an dem ich zu einem spaetern Zeitpunkt gerne an meiner Musik arbeiten wuerde. Habe super ueber Musik gesprochen, mich in Details gewonnen (verlieren ist nichts fuer mich). Gib jeder Vibration ihren Raum und sie besitzt Schoenheit.

(Boris) Ich bin am fruehen Mittag aufgewacht, habe mit Sara und Jaume ihre Familien empfangen, Paella – Valenciastil – gekocht und ausgiebig gegessen und gesprochen. Wir haben nun die Einladung bei Jaume’s Mutter iauf unserem naechsten Zwischenschritt in  Valencia unterzukommen!

Am Nachmittag bin ich meinen taeglichen Routinegang nach Barcelona angetreten.
Um 19:00 habe ich dann Adrian im „Kuenstlerviertel“ Gracia abgeholt. Jakob empfiehl mir die Gegend schon eine Woche zuvor, nun war es so weit.
Adrian hatte einige Liebesbriefe als getarnte Origami-Enten vorbereitet.

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Das muss doch als Beweis der Leidenschaft reichen!

So, wie er drauf war, brauchte er jede moegliche Tarnung. Adrian verfiel foermlich in einen paranoiden Rausch, dass ihn irgendwo zwischen Bahnhof und Wohnungstuer seiner Ex-Freundin jemand entdecken koennte, wodurch sein gesamtes Vorhaben bedroht schien. Adrian war angespannt, zurecht, stand doch schliesslich alles auf dem Spiel. Nun ja, zumindest sein aktuelles Wohlbefinden.
Wir haben es uns also erstmal auf einem grossen Platz gemuetlich gemacht, mantrahaft betont, dass alles schon irgendwie laufen wird, und immer wieder die naechsten Schritte besprochen. Alles musste sitzen.
Ich gehe zur Tuere. Dann klingel ich beim Nachbarn und bitte darum, dass die erste Eingangstuere geoeffnet wird. Er wartet um die Ecke, in Sichtkontakt. Sollte der Nachbar nicht oeffnen, warte ich bis jemand raus kommt. Sobald die Tuere offen ist, winke ich ihm. Dann folgt er, so schnell wie ein Mensch mit Kruecken nur laufen kann und wir haschen durch bis zu ihrer Wohnung. Dort muessen alle Origami nach einem bestimmten Schema platziert werden, dann wieder raus, und tun als sei nichts gewesen.

Ich lernte waehrenddessen noch zwei Deutsche kennen, erzaehlte ein wenig von meiner Reise und wie sich mein Leben entwickelt hat. Die beiden wirkten sehr interessiert, ebenfalls in meinem Alter. Der Blonde schenkte mir gar ein Feuerzeug! Das ist auch so eine Sache, seit ueber einem Jahr finde ich immer neue Feuerzeuge, wenn mein altes leer ist. Unmittelbar. Dieses mal waren zwischen „Leergehen“ und „Neues geschenkt bekommen“ nur wenige Stunden.

Wir machten uns also wieder auf den Weg nach Hause. Zwei Stunden spaeter empfing Adrian eine Nachricht seiner Ex-Freundin. Sie will ihn zurueck.

BUJAKAAAAA!!!! Die Aktion war ein garantierter Erfolg! Mit Origami geht alles.

Wir haben uns noch zwei Stunden lang unterhalten, so tiefgruendig, wie ich es noch nie auf einer Fremdsprache getan habe. Adrian wirkt sehr verstaendnisvoll, bereit fuer jede andere Perspektive, annehmend, nicht ausschliessend. Immer wieder haben wir eigene Standpunkte auseinandergenommen und versucht aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Gegen Mitternacht kamen Juame und Sara wieder, Adrian ging zu Bett. Der Mann geht immerhin noch einem geregelten Leben nach, das bringt Pflichten mit sich.

Sara wirkte etwas ruhiger und bedrueckt. Sie erzaehlte, dass sie sich Sorgen um ihren juengeren Bruder Angel mache.
Da ich ihn am Mittag einige Stunden erlebt hatte, bot ich ihr an meine ersten Eindruecke von ihm zu schildern.
Mir ist aufgefallen, dass Angel ein sehr konzentriertes, ja gar meditatives Wesen hat. Jede seiner Taetigkeiten verrichtet er mit groesstmoeglicher Aufmerksamkeit, scheint nie mit den Gedanken woanders, und ist dennoch in jeder Situation in der Lage auf etwas Gesagtes umgehend einzugehen, Beinahe wortlos. Weil er sein Umfeld spielend versteht und binnen Sekunden eine praezise Antwort findet, die sich auf nur ein Wort beschraenken kann. Sara bezeichnet ihn als ein musikalisches Genie, leider moechte Angel an seinen Talenten, die Sara in ihm sieht, jedoch nicht arbeiten. Sie macht sich Sorgen, weil ihr groesserer Bruder gepraegt durch familiare Probleme einige unguenstige Entscheidungen getroffen hat.
Wir haben daraufhin noch uber Grundsaetze des Helfens gesprochen. Darueber, dass sie niemandem helfen kann, so sehr sie es moechte, wenn derjenige nicht dazu bereit ist. Im besten Fall bittet er darum.
Zumal ich das Gefuehl habe, dass sie ihm schon jetzt die groesste Hilfe ist, durch ihre bestaendige liebevolle Art, dadurch, dass sie ihn zu sich einlaedt, in ihre Welt, mit all den Kuenstlern und Begabten, all den Menschen, die ihren Traeumen nachgehen, und sie ihm den Raum dafuer anbietet, sich fuer etwas zu entscheiden, was ihm gut tun kann, Es ist seine Entscheidung, die sollten wir ihm nicht nehmen.
Sara wirkte deutlich entlastet, nach einigen ruhigeren Minuten haben wir noch den Film „KES“ angefangen.

Dann erwischte mich urploetzlich eine Welle der Energien. Sobald ich meine Augen schloss, ging mein eigener Koerpermittelpunkt verloren. Es ratterte von links nach rechts in meinem Kopf, als wuerde ich auf einer Achterbahn fahren. Und es war geil! Abgefahren!
Immer wieder habe ich mich in diese Zustaende versetzt, kurz den Film geschaut und dann wieder Augen zu und Achterbahn!

Jaume beugte sich nach vorne, er wollte noch einen bauen.
Wir haben einen sehr aehnlichen Rauchrhythmus.
Er begann also sein Werk. Ich war Zeuge vom ersten Moment.
Nie habe ich so eine Magie in den Bewegungen der Haende gesehen. Jede seiner Bewegungen wirkte sinngebend, nicht unnoetig, einem Ziel gerichtet. Er hat den Joint auf eine Art gebaut, wie ich es vorher noch nie gesehen habe, Ich war fasziniert.
Als ich ihn darauf ansprach, ob er viel draussen rauchen wuerde, weil ich bei seiner Technik das Gefuehl habe er wuerde den Joint vor etwas oder jemanden beschuetzen wollen, sagte er: Ja! Interessant!

Tatsaechlich ist es bei ihnen zuhause in Valencia enorm windig, und so musste er sich mit der Zeit angewoehnen bei jeder Bewegung das Maximum an Schutz rauszuholen.
Sowas sehe ich doch 😉

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