[Reiseblog] Leben, wie in „Hurra, die Welt geht unter“

Gestern morgen bin ich aufgewacht mit der klaren Vorstellung, nach nun knapp zwei Monaten taeglichen Graskonsums, eine Pause einzulegen. Da ich noch Reserven habe, kenne ich mich gut genug, um zu wissen, dass ich auf diese nach Gefuehl wieder zurueckgreifen werde, also sollte erstmal ein Tag nuechtern verbracht werden.
Jakob inspiriert mich mit seinem eisernen Willen, lebt er doch als einziger von uns ohne Drogen. Wobei, relativieren muss man selbst das. Sagen wir, gestern wollten wir den Tag mal nur mit gesellschaftlich anerkannten Drogen (uff, nicht selten die haertesten) wie Zucker gestalten. Ich hab es geschafft, so viel vorweg!

Zwei weitere Mitbewohner auf kurze Zeit kamen von einem anderen Squad an, zwei junge Frauen aus Finnland. Die haben wir uns erstmal zur Brust genommen, da Jakob und ich seltsamerweise tatsaechlich die Stammesaeltesten im Haus waren. Alle anderen sind noch unterwegs, werden erst die kommenden Tage eintrudeln.
Wir hatten uns vorgenommen einen Putztag zu machen, organisierten also die Kueche neu, wuschen die Boeden und das angesammelte Geschirr, sowie den gesamten Kuehlschrank mitsamt Inhalt. Blitzeblang war es danach.

Da Bonnie nicht zuhause war und wir fuer das Huehnerhaus im Garten seine Visionen brauchen, haben wir das Projekt weiterhin liegen lassen. Stattdessen sind wir zu zweit etwas frueher los in die Stadt, um einzukaufen. Zwar wollte ich mich am Abend mit Sara treffen, um gemeinsam zu recyceln, aber einige Grundnahrungsmittel, wie Pasta, Reis, Olivenoel und Nuss-Nougat-Creme kann man nicht so oft retten. Irgendwie muessen wir aber doch knapp 20kg besorgt haben. Bonnie wollte indessen am Abend noch woanders recyceln, sodass der frischgesaeuberte Kuehlschrank endlich wieder voll werden wuerde.
Nach dem Einkaufen sind wir ins grosse Squad zum Spanisch lernen gegangen, und zwar findet dort jeden Montag Abend ein Kurs fuer Anfaenger und Fortgeschrittene statt. Ich lernte gemeinsam mit einer weiteren Deutschen und einem Tschechen, wir sind die verschiedenen Konjugationen durchgegangen, sowie einige neue Vokabeln/Verben. Es war ein sehr schoenes Gefuehl, ein angenehmes Lernen und der Tscheche und ich haben uns bei den Abfragungen immer gegenseitig die Antworten zugespielt, das war richtig geil.

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Danach ging es zum Recyceln mit Sara. Das Lebensmittelretten scheint hier gerne in Gruppen ausgefuehrt zu werden. Ungefaehr zehn junge Menschen, darunter traf ich eine weitere Deutsche, organisieren sich in kleine Gruppen und gehen die bekannten Anlaufstellen durch. Am Ende treffen sich alle wieder, die gesammelten Lebensmittel werden ausgebreitet und dann kann sich jeder frei nehmen, was er moechte. Es kam auch hierbei wieder kein Konkurrenzdenken oder ueberhaupt irgendwelche Schwierigkeiten auf. Alles funktionierte fliessend. Letztendlich gingen wir mit einem Dutzend Baguettes, vielen kleinen Broetchen, einem Rucksack voll frischem Obst und Fruechten, sowie eine grosse Tragetasche – sicher um die 10kg – voll mit Gemuese und weiterem Obst, daheim.

Mit Sara habe ich auf der Rueckfahrt noch etwas spanisch gelernt… sie kommt mir immer vertrauter vor. Sicherlich liegt das mitunter an der gemeinsam verbrachten Zeit, aber ich beginne wirklich sie zu verstehen. Wie gut sie mich versteht, sollte sie mir einige Stunden spaeter dann demonstrieren.
Zuhause schliefen die Finnen bereits, Bonnie war bei Freunden, sodass wir waren. Erstmal das neue Essen saeubern, einraeumen und dann haben wir natuerlich erstmal eine leckere Pilz-Reispfanne gekocht. Auf dem Balkon entstand dabei eine angeregte Unterhaltung ueber die Urspruenge des Raps, und ich liess einige meiner Lieblingssongs abspielen. Ich habe ueber die Authentizitaet und Tiefe im Rap, sowie die geschichtlichen Anfaenge gesprochen. Wir kamen nicht drumrum festzustellen, dass wir aktuell wahrscheinlich ein Leben fuehren, wie es in „Hurra, die Welt geht unter“ (KIZ) prophezeit wird. Gefaellt uns.

Montag ist allerdings Movienight, und so begann Sara gegen Mitternacht noch den Film „Frequency“ ueber einen Projektor zu starten. Es gab zunaechst Schwierigkeiten, aber sie liess nicht locker. Unbedingt wollte sie uns diesen Film zeigen und ich war gespannt, denn sie schien ihn echt zu feiern und der Filmgeschmack kann viel aussagen.
Ich moechte nicht zu viel verraten, aber mich hat der Film sogleich beeindruckt und bis zum Ende geflasht. Weil ich so angetan davon war, all die tieferen Themen dort zu sehen, mit denen ich mich seit Jahren beschaeftige und ueber die wir so selten reden koennen. Sara versteht, was ich meine und scheint vor allem mein Denken sehr schnell erkannt zu haben. Mit diesem Film hat sie mir einen gewaltigen Gefallen getan, ich konnte nicht stoppen mich zu bedanken und werde ihn definitiv in meine „Must-see“-Liste aufnehmen.
Auch Jakob konnte zwar noch nicht komplett folgen, zumal der Film sicherlich auch komplex ist, war allerdings sehr interessiert. Auch er muss aufgrund seiner Erfahrungen feststellen, dass wir nicht alles im Leben erklaeren koennen, mit dem, was uns beigebracht wird. Je ehrlicher wir zu uns selbst sind, desto mehr stellen wir fest, wie wenig wir erklaeren koennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Erklaerungen gibt. Und ich bin ueberzeugt, dass es sie gibt, weil ich sie erfahre.

Und das beste ist, sie sind universell.


In a world that is not quite here and not quite now, a young boy (Isaac-Newton) and girl (Marie-Curie) meet. However, in this world this simple fact should not be possible. In this world human FREQUENCY has been discovered. If you are high frequency, you are born lucky – you will have natural ‘timing’ and always be in the right place at the right time. If you are low frequency every natural law will conspire against you.

Marie is super-high frequency, Zak is ultra-low. Nature should ensure that they never cross paths. Yet they do. Every year they get to spend exactly one minute together before nature dramatically intervenes.

Over the years it becomes an obsession for Zak to change his frequency and be with Marie. What he discovers may allow him to realize his dream, but will change everything we know about ourselves and our destinies, forever.

Danach haben Jakob und ich uns im Bett noch angeregt eine weitere Stunde ueber vieles unterhalten. Ueber vermeintlich bipolare und schizophrene Menschen in unserem Freundeskreis, die sehr sensibel fuer ihre Umwelt sind und oftmals weitaus mehr mitkriegen, als wir es ueberhaupt koennen. Menschen, die intuitiv die Intention ihres Gegenuebers erfassen, mit den ganzen aufgenommen Reizen jedoch ueberfordert sind und denen ganz simpel das mentale Ruestzeug fehlt, um mit derartigen Informationen umgehen zu koennen. Daran laesst sich aber arbeiten, meine Meinung.
Wir haben ueber die Grenzwelt zwischen verrueckt, realitaetsfern und sensibel sowie genial gesprochen. Wir offenbaren uns gegenseitig immer wieder unsere Schwaechen, unser Sorgen und Gedanken, und das ist es wohl, was ich an Jakob am meisten schaetze. Dass wir uns einig darueber sind, was im Leben wichtig ist und wie wir mit Situationen im Leben umgehen wollen. Er moechte wachsen, selbst immer besser werden, in allem was er tut, und darin sind wir Brueder im Geiste, wenngleich er momentan auf deutlich mehr Hochzeiten tanzt, als ich. Was ich damit sagen moechte, ist, dass er ehrgeiziger arbeitet.

Jakob ist bemueht die Raetsel des Lebens zu verstehen, was er nicht versteht, das laesst ihn so schnell nicht los. Also haben wir gemeinsam einige Szenen aus dem Film im Rueckblick analysiert und auf den Alltag bezogen.

Ob ich an das Glaube, was dieser Film thematisiert?
Es sei ja schliesslich nur ein Film… nun… sagen wir es so:
Ich habe vergessen, ob erst mein Glaube daran vorhanden war, oder erst das Wissen darueber und was von beidem das jeweils andere gefoerdert hat. Ich glaube, dass meistens das Wissen der Erfahrung vorausgeht, vielleicht auch in diesem Fall. Aber ich spuere sehr, sehr deutlich, dass mein Leben auf eine der Film aehnlichen Art ablaeuft und ich komme der ganzen Krux immer naeher. Was mich davon abhaelt ist das Schauen auf einen Bildschirm, denn das ist mir trotz allem noch suspekt, daher verabschiede ich mich hiermit fuer heute und wuensche euch viel Vergnuegen mit diesem Filmkunstwerk.

PS: Heute Abend kommen zwei Deutsche zum jamen vorbei, die Jakob waehrend seines Spanischkurses kennengelernt hat! Er spielt Bass und Trommel, sie soll herrlich singen koennen. Wir werden ca. ein Dutzend Menschen im Squad sein, wir haben Essen und Zeit ohne Ende, es kommt wieder richtig Leben hier rein und damit gleichzeitig die Musik 🙂

Es sind wirklich wunderbare Menschen hier, die sich und das Leben sehr ernst nehmen, keine Zeit vergeuden wollen, und doch nie die Lust am Zelebrieren des Lebens verloren haben. Spanische Mentalitaet eben. Und eh, ihr solltet den Ausblick hier sehen. Waehrend ich hier tippe, spielen die anderen ueber mir Musik, und vor mir geht die Sonne in einem epischen Gelbton zwischen Wolke und Berggipfel unter.

Schoen ist dieses Leben.
Danke

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