[Reiseblog] Von Haus zu Haus

Die letzten beiden puren Grastueten vom Vorabend haben mich dermassen ausser Gefecht gesetzt, dass ich erst um 14 Uhr aufgestanden bin.
Selbst Jakob, der erst am Morgen vom Feiern wiederkam, war frueher wach. Mittlerweile wird das wieder Routine, ich lass das einfach mal mein Schlafverhalten zu bewerten. Passt schon.

Nachdem ich mich nach oben zu den anderen gesellte und wir auf dem Balkon einige Stunden zu viert und Gitarre verbracht hatten, ging ich mit Julia und Sara zusammen im Nachbarort recyceln.
Und zwar findet jeden Samstag ein Markt mit frischen lokalen Lebensmitteln statt, bei dem abschliessend alles Uebrige verteilt wird. Der Deal besteht darin, dass wir beim Umpacken der Lebensmittel mithelfen, sodass die entleerten Kartons aufgesammelt werden koennen.
Beeindruckt hat mich, dass trotz einem Dutzend verschiedener Menschen und Interessen alles gleichmaessig untereinander aufgeteilt wurde. Eine Kiste hiervon, eine Kiste davon. Unabhaengig davon, wer zuerst da war oder nicht.

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Ich steh voll auf Kaki! 😛

Die Leute dort schienen mir ebenfalls allesamt sympathische Menschen zu sein, mit zwei von ihnen wollten wir die kurze Rueckfahrt nach Hause antreten, wurden auf dem Bahnhof jedoch von einem freundlichen Mitarbeiter rausgeschickt, da wir uns ohne Fahrtickets wieder mal an den Automaten vorbei geschmuggelt hatten. Einem aufmerksamen Arbeiter entgeht nichts!
So genossen wir also den halbstuendigen Weg nach Hause mit vollen Kartons – berghoch.

Waehrenddessen hatte Jakob posaune geuebt und fuer alle weitergekocht. Das liessen wir uns dann noch goennen, ehe wir beide die neuen geretteten Lebensmittel vor dem Dukelwerden noch abwuschen und die Maedels das Geschirr spuelten. Klingt klischeehaft, aber jeder wurde vorher gefragt, was er/sie lieber machen moechte 😀

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Im Wohnzimmer haben wir noch Musik gehoert, die uns in irgendeiner Form durch den ganzen Tag begleitet, einiges geraucht und mit Jakob hab, vor allem ein intensives Gespraech ueber das Ego, unseren Verstand und Mechanismen, wie „das Rechthaben“, „Be-/Verurteilen“ und „Entscheidungen treffen“ gesprochen.
Selten habe ich das Gefuehl meinen Gegenueber so gut zu verstehen, wohl ein Spiegel unserer Wellenlaenge.

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Am Abend waren wir zum grossen Essen im Squad „Reha“ (das grosse in der Stadtmittel Barcelonas), wo ich zwei weitere reisende Deutsche traf. Ein junges Paar, die ein Jahr durch Europa reisen moechten mit 2000€ Erspartem. Sie retten auch weitestgehend all ihre Lebensmittel, haben ein Zelt, nutzen aber auch oefter Couchsurfing.
Ich bekam auch sogleich die Gelegenheit etwas von Joc’s geschenktem Weed weiterzuverschenken. Schoenes Gefuehl den Kreislauf am Leben zu halten.
Viktoria feierte ihren 20. Geburtstag, ich habe gegessen wie ewig nicht mehr, wir haben gesungen, musiziert und gelacht. Ey, das war eine geile Stimmung!

Da jedoch weder Sara, noch ich, Gefallen finden am taeglichen Feierngehen, sind wir als einzige wieder zurueck nach Hause. Wir fanden Bonnie sowie zwei Freunde im Wohnzimmer, eine junge Frau schlief auf dem Sofa. Wir haben noch einige Zeit dort verbracht, in entspannter verqualmter Kartenspielatmosphaere.
Auf dem Weg konnte ich mich erstmals laenger alleine mit Sara unterhalten. Sie wirkt sehr interessiert, einerseits reserviert, aber absolut von Zweifeln erhaben, wenn sie Dinge selbstaendig tun kann. Voellig straight, immer selbstverstaendlich. Auf eine bodenstaendige und sympathische Weise. Sie bringt mir weiter spanisch bei und mittlerweile sitzen einige Phrasen richtig gut!
Ich habe erstmals ausgiebig von meinem ehemaligen Beruf gesprochen – meiner Berufung, muss ich ja eigentlich sagen. Da das naechtliche Spazierengehen in dieser Gegend viel in mir bewegt, haben wir uns immer wieder die Ruhe genommen zum Sternenhimmel aufzusehen. Ich kann nun dank ihr den Orionguertel benennen 😀

Da Jakob heute morgen mit einer vermeintlichen Mandelentzuendung aufwachte, hab ich mir mal den Raum genommen ihn etwas zu versorgen, wir sind also nur daheim geblieben. Er hat von seinem gestrigen Abend berichten, ich habe aus „Anastasia“ vorgelesen und die eigenen Gedanken und Traeume bieten uns weiterhin genuegend Gespraechsstoff fuer zwischendurch.
Jakob hat mir noch gesagt, dass er in der Nacht, als er mal unsicher war, sich sehr gewuenscht haette, dass ich bei ihm waere. Und er sich darauf gefreut hat, mir nachher von seinen Zweifeln berichten zu koennen. Danke mein Freund fuer deine Loyalitaet und Freundschaft.

Die drei Finnen vom groesseren Squad sind nun bei uns angekommen, ich geh mal wieder hoch.

 

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