[Emotionaler Check] Was geht in mir vor?

Seit einer Woche bin ich nun mit Jakob unterwegs durch Südfrankreich und aktuell in Barcelona. 

Mein eigenes Leben scheint in gewisser Weise derzeit stillzustehen, überhaupt nicht negativ, aber es gerät Entschleunigung rein. Das habe ich erwartet. Gleichzeitig passiert aber auch so viel, in Form von tiefen Begegnungen oder interessanten Informationen und Erfahrungen, die ich erlebe. 

Ich fühle mich die letzte Zeit zunehmend als neutraler Beobachter dessen, was ich erfahre. Mein Gehirn steht viel still, selten höre ich die Stimme in meinem Kopf, dementsprechend entstehen keinerlei Bewertungen dessen, was mir widerfährt. 

Mich störte es ständig nach WLAN Ausschau zu halten, um der gewaltigen positiven Resonanz nach meinen ersten Vlogs weiterhin gerecht zu werden und regelmäßig Videos hochzuladen. Es raubt mir zu viel Zeit des Tages und daher habe ich beschlossen mich wieder auf das Schreiben zu fokussieren, da ich abends in Ruhe tippen und notieren kann, wenn mein Kopf wiedermal entleert werden muss, und zu einem beliebigen Zeitpunkt die Blogs online stellen, wann es sich eben ergibt. 

Weiterhin kann ich natürlich nur das wiedergeben, was sich derzeit in mir befindet. Nur über das sprechen und schreiben, was mich selbst bewegt. 

Lange Zeit habe ich deswegen Schreibpausen eingelegt, da mich keinerlei persönliche tieferen Lektionen begleitet haben. Heute nutze ich für diese Pausen die Reiseberichte, in denen ich immerhin meine Erfahrungen und einige wenige Informationen teilen kann. Denn das ist es, was derzeit meinen Tag definiert: das Überleben, das Erleben, die Zeit mit Jakob und was wir voneinander lernen. 

Ich kann mein Englisch verbessern, werde darin immer flüssiger, merke jedoch sehr deutlich wie sich bei mir in der Anwesenheit von Menschen, die nicht gerne Englisch sprechen, eine starke gedankliche Blockade aufbaut. Ich werde introvertiert und finde es irgendwie auch amüsant, das mich Menschen mal so kennenlernen, da ich doch die meiste Zeit ein recht extrovertierter Typ bin. Das Sprechen überlasse ich meist Jakob, er lernt deutlich schneller als ich neue Sprachen, das war schon immer so eine Sache bei mir. Mir ist dabei absolut bewusst, wie sehr ich mich bezogen auf Fremdsprachen selber bremse. Ich weiß, dass ich jeden um Übersetzungshilfe fragen kann, dass ich mir Sätze und Vokabeln aufschreiben kann, dass ich mehr lernen werde, wenn ich immer wieder ins Gespräch gehe, es wenigstens versuche und mein Bestes gebe. Aber ich tue es nicht. Vielleicht warte ich darauf, ausführlich Zeit zum Lernen zu haben, jemanden zu treffen, der bereit ist sich einfach neben mich zu setzen und mir etwas beizubringen. Das wäre schön. Aber ich bin es selbst, der es nicht möglich macht. Die Sprachbarriere hemmt mich (noch) sehr im Umgang mit anderen, außer eben diese sind von sich aus sehr offen und einladend, dann gelingt es mir okay – zumindest auf englisch.  

Von Jakob kann ich derweil viel lernen. Er ist sehr straight in seinem Tun, verzichtet derzeit konsequent auf jegliche Drogen – damit er unter anderem besser Posaune üben und spanisch lernen kann, vor allem aber klar bleibt. 

Neulich hat er sein Handy verloren, ich glaube auch ich würde damit mittlerweile besser umgehen können, aber ihn hat es nicht eine Sekunde beschäftigt. War eben so, shit happens. Am gleichen Tag ist ihm ein kleiner Stein zerbrochen, den er von einer guten Freundin und wundervollen Frau, wie er sagt, geschenkt bekommen hatte. Das hat ihn echt tief getroffen. Den ganzen Abend hat er immer wieder sein Bestes gegeben, um den Stein zu retten. Ich fand es beeindruckend, was für ihn wichtig und unwichtig wirkt, womit er hadert und womit nicht. Der Junge ist erst 21, glaubt überhaupt nichts zu wissen und ist mir in so vielem voraus – ich bin ihm dankbar für die täglichen Lektionen. Er ist mir ein guter Spiegel für mein eigenes Verhalten – einfach dadurch, dass er mit Freude der ist, der er gerne wäre. 

Wir ergänzen uns zudem super. Als Beispiel: für mich war es selbstverständlich abends meine Zähne ausgiebig zu putzen, in erster Linie weil ich Ihnen so dankbar bin essen zu können ohne Schmerzen zu haben, dafür, dass sie mir so treue Dienste erweisen. Das ist schon ein gewaltiges Geschenk. Jakob hingegen hat sich lange nicht mehr die Zähne geputzt. Also habe ich ihm eine meiner Zahnbürsten gegeben und ihn überzeugt. Mittlerweile erinnert er mich daran mir die Zähne zu putzen, weil ich doch bequemer werde. 

Es tut gut mit ihm zu sein, wir sind uns in den wesentlichen Dingen so ähnlich und haben gleichzeitig völlig unterschiedliche Erfahrungen gemacht, um voneinander viel lernen zu können und uns um neue Perspektiven zu bereichern. Jakob strahlt nach nur wenigen Tagen etwas sehr Vertrautes und Wohltuendes für mich aus. Wir haben uns viel über unsere letzten beiden Jahre unterhalten, in denen sich bei uns beiden viel bewegt hat, in denen wir beide viel über die Liebe lernen durften und schöne Erfahrungen gemacht haben. 

Eine enge und verbundene Beziehung zu einer Frau ist das, wofür wir beide einiges in Kauf genommen haben und weiterhin werden. Lieben zu dürfen empfinden wir als einen Segen. 
Trotz der Sprachschwierigkeiten und einer Art inneren Leere, die ich momentan empfinde, da ich mich noch gut und gerne an mein heftiges Hoch im August erinnere, geht es mir unter’m Strich doch verdammt gut. Und ich muss auch sagen, dass die weniger guten Stimmungen, die ich mal habe und die absolut dazugehören und ich sie einzuordnen weiß, weitaus angenehmer sind als das, was vor meiner Reise stattfand. 

Wenngleich ich nie mit Depressionen oder dergleichen zutun gehabt habe, aber keine Alltagsprobleme mehr zu haben, sich um nichts auferlegtes kümmern zu müssen, keinen unnötigen Verpflichtungen nachzukommen… Das macht mein Leben so viel einfacher und konzentrierter auf die Dinge, die jetzt für mich wichtig sind. 

Mir geht es höchstens wegen einer  einzigen Sache mal weniger gut, aber nicht aus einem Dutzend Gründen schlecht. Und bei dieser einen Sache ist es so schön, selbst darin einfach mal voll eintauchen zu können, statt es immer vor sich herzuschieben. 

Ja… Mir geht es echt gut 😀

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