[Reiseblog] kein klarer Kopf = Zugfahrt

Heute ist Dienstag, sagt mir ein Blick auf mein Handy. Meistens weiß ich gar nicht, in welchem Wochentag ich mich befinde. Das ist auch nur Samstags wichtig zu wissen, damit ich genügend Vorräte bis Montag besorge. Die Uhrzeit ist mir hingegen recht klar, das kann ich mittlerweile ziemlich genau am Stand der Sonne festmachen. 

Jedenfalls, da ich Sonntag nicht wirklich einen Ruhetag gemacht habe, abgesehen davon, dass ich mir zwei Stunden länger Zeit gelassen habe, bis ich mit dem Wandern anfing (dafür aber auch einige Stunden später ins Bett gegangen bin) und gestern auch wieder fleißig war – dachte ich, sei heute ein guter Tag erneut zu schummeln und mich tragen zu lassen. 

Der eigentliche Grund, warum ich derzeit im Zug sitze, ist jedoch ein anderer. Genau genommen, sind es zwei. Der erste wird mir von außen auferlegt, und zwar ist die Strecke zwischen Frontignan und Agde (ca. 30km) etwas ungünstig zum wandern. Nahezu der gesamte Weg führt direkt an einer Autobahn entlang, auf einer Strandpromenade zwar, jedoch ohne dass zwischendurch eine Möglichkeit besteht in einem Dorf Halt zu machen. Ich habe mir Sorgen gemacht zu wenig zu trinken auf diesem Weg, da meine Vorräte nur bis 1.5L reichen. Zumal 30km für eine Tagesstrecke mit 20kg Gepäck für mich schon sehr optimistisch wären, wenngleich machbar. Aber man muss es auch nicht übertreiben, ich habe schließlich noch ganz Spanien vor mir. 


Der zweite Grund ist ein Schriftverkehr mit meiner Ex-Freundin, den ich heute morgen hatte und der mich erfolgreich aus meiner fantastischen mentalen Verfassung katapultiert hat. Sie schrieb mir vorgestern erstmals seit einem halben Jahr, für mein Unterbewusstsein Grund genug sie heute Nacht als Hauptrolle in meinem Traum einzusetzen. Es war ein unterm Strich guter Traum. Wir haben endlich wieder miteinander gesprochen, ich habe sie wiedergesehen – das bedeutet mir viel. Mir ist bewusst, dass Traum Traum ist, aber Wiedersehen ist eben auch Wiedersehen – ohne wenn und aber. Und wenn einem jemand so viel bedeutet, und man über Monate keinerlei Kontakt miteinander hat, dann freue ich mich diesem Menschen zumindest nachts begegnen zu können. 

Ich nahm dies als Anlass ihr heute zu schreiben, habe ihr von meiner nächtlichen Begegnung mit ihr erzählt. Ich weiß nicht, warum ich dieses Mitteilungsbedürfnis in mir trage, ich folge lediglich meiner Intuition und habe aufgehört Fragen zu stellen – meistens macht es im Nachhinein einen Sinn. So auch dieses Mal. 

Nachdem sie mir monatelang nicht geantwortet hatte, dauerte es dieses Mal keine Minute und ich erhielt sogleich mehrere Reaktionen von ihr. Leider nicht die Art Reaktion, über die man sich nach Monaten freut. Alles, was aus meinem Traumerleben bei ihr hängen blieb, war, dass mir im Traum – neben ihr stehend – aufgefallen war, dass sie anscheinend abgenommen hatte und ich ließ sie wissen, dass sie weiterhin wunderbar aussieht. Anders als vor einem halben Jahr, als ich sie schon bildschön fand, sie jedoch über ihr Gewicht klagte. 

Für sie war dies eine derartige Beleidigung und gleichbedeutend mit der Aussage, sie sei „früher zu fett gewesen“ und … Ich kann mir weitere Ausführungen ersparen. Das Ende vom Lied ist, dass sie mich nun geblockt hat, mich beleidigt und meine Chance auf einen friedvollen Abschied voneinander immer weiter in die Ferne rückt. 

Warum dieses erneute Drama für mich im Nachhinein Sinn macht? Weil ich merke, wie etwas von mir gefallen ist. Vielleicht ist es die naive Sehnsucht danach, dass wir uns als Freunde erhalten bleiben. Vielleicht ist es die Hoffnung, dass sie zu sich findet, Reue zeigt für alles Leid und jeden Schmerz, den sie verursacht hat, nicht nur bei mir. Womöglich ist es mein Drang danach Menschen, die furchtbar an ihren eigenen Gedanken und ihrer Wahrnehmung leiden, einen anderen Weg zeigen zu wollen, um ihrer Lebensqualität wegen. Ich weiß es nicht, aber es scheint weg zu sein. Das ist gut, wenn es so bleibt, denn dann finde ich mehr Ruhe für mich selbst. Es wird Zeit dieses Kapitel endgültig abzuschließen. 

Dieser Vorfall hat mir für heute allerdings meinen klaren Kopf genommen, und ohne den möchte ich mich nicht auf die Reise begeben, weswegen ich nun im Zug entspanne und aussteigen werde, wann es mir passt. Das Ticket war günstig, die Landschaft ist schön hier und wenn ich gleich aussteige, werde ich noch eine Stunde einfach nur in der Sonne verbringen, ehe ich mich für heute wieder meinem Schlafplatz widme. 

Und noch etwas Gutes hat es: ich denke, ich überhole grade Jeanette, die sich vor einigen Tagen mit dem Rad von mir verabschiedete (wir haben uns Stunden später „zufällig“ nochmal kurz wiedergesehen) und kann so auf sie warten, auf dass wir uns nun bald wiedersehen. 

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