[Reiseblog] Marseille bis Fossur-Mer: Es läuft! 

Wir schreiben heute den vierten Tag meiner Zufussreise von Marseille bis zur spanischen Südküste. Und es läuft prima! 

Freitag Abend bin ich mit Jan und Isis in Marseille angekommen. Wir haben es uns noch zwei Stunden gut gehen lassen, ehe wir uns an den Schlachtplan machten, wie es mit mir nun weitergeht. Wortwörtlich. Leider hat unser Metroplan nicht so richtig hingehauen, da ich mich ordentlich verfahren hab innerhalb Marseilles. Das erklärte Ziel war ursprünglich so schnell wie möglich an einen Randbezirk der Stadt zu kommen, um draußen schlafen zu können. Als ich dann gegen Mitternacht wieder an der Station ankam, an der ich ursprünglich gestartet habe, musste sich etwas ändern. Eine Gruppe junger Männer, von denen einer gar Deutsch sprach, fuhr mit mir einige Stationen und erklärte mir welcher Bus als einziger in meine gewünschte Richtung noch fährt. Als ich den jedoch abermals nicht fand, sendete mir jemand zwei junge Italiener über den Weg. Die beiden begleiteten mich einige hundert Meter zur Haltestelle, an der just in jener Sekunde mein Bus hielt. Der Busfahrer nahm mich dann auch noch umsonst bis an mein Ziel! 

Ich war vielleicht einen Kilometer gegangen, da hielt plötzlich Serge, ein junger Student, neben mir und bot an mich mitzunehmen. Danke man! Er wollte mir sogar noch seine Nummer zur Sicherheit mitgeben, leider kann ich damit nichts anfangen. Wir fanden gemeinsam einen wunderbaren Schlafplatz für die anstehende Nacht und ich verabschiedete mich vom Tag mit einer abschließenden guten Begegnung. 

Klassicher, authentischer Schlafplatz

Da die Tiefsttemperatur bei 16 Grad lag, wollte ich eigentlich draußen schlafen. Ich hatte aber noch Serge’s Regenwarnung im Hinterkopf und als dann irgendetwas von oben in mein Ohr fiel und in meinem Gehörgang verschwand, ehe ich reagieren konnte, war ich überzeugt doch noch das Zelt aufzubauen. Igitt! Habt ihr schon mal ein Tier in eurem Kopf gehabt? Ich konnte jede Bewegung spüren, es hat über eine Stunde gedauert – erst als ich mich zum Zeltaufbauen aufraffte – ehe das Tier von alleine wieder rausfiel. Das war echt ne schräge Erfahrung und vor drei Jahren noch die Bestätigung all meiner Alpträume gewesen, Grund genug nie wieder draußen zu schlafen. 

Am zweiten Tag baute ich mein Lager ca. acht Kilometer vor Martigue auf, die nächstgrößere Hafenstadt und mein Ziel für den kommenden Tag. 

Mein Mittagstisch in Martigue

Das hatte ich jedoch weit übertroffen. Gestern hab ich tatsächlich 25-30km geschafft, habe Martigue längst verlassen und befinde mich derzeit zu Besuch bei einer Dame in Fossur-Mer. Ich traf sie vor zwei Stunden, als sie ihren Sohn zum Bus brachte, und wollte sie eigentlich nur nach dem Weg zur Stadt fragen, um Wasser zu holen. Sie bot mir gleich an, dass ich das doch auch bei ihr machen könne. Duschen und Essen inklusive. Sie spricht ausnahmsweise sogar Englisch, das ist hier immer noch so ein Thema. 

Mal abgesehen davon, dass die Kommunikation bei den meisten Begegnungen kaum möglich ist, hat es mich gestern phasenweise sehr aufgeregt, dass kein Autofahrer selbständig auf die Idee kam anzuhalten und zu fragen, ob er mir helfen könne. Ich weiß, das ist nicht wenig verlangt, aber Serge hatte bei mir echt Eindruck hinterlassen und nach so vielen Stunden des Wanderns war ich gestern kurzzeitig echt planlos, als ich einfach weit und breit nichts fand zum Wasser aufladen. Und mein Handy, welches ich tagsüber als Navigation und abends kurz zum Musikhören benutze, war leer. Eine Frau kam mir jedoch entgegen, die mit mir sogleich zurück nach Hause ging und mir Wasser mitgab. Danke! 

Ich merke, dass meine Tage wieder eine klare Routine erhalten und finde das gut. Morgens lasse ich mir ausgiebig Zeit im Zelt, frühstücke und packe dann meine Sachen zusammen. Bis zum Nachmittag bin ich dann unterwegs, mein Rucksack wiegt derweil zwischen 15-20kg, neuer Rekord. Mittags kaufe ich mir immer ein Baguette für den kommenden Morgen, sowie etwas Obst als Hauptmahlzeit. Bevor ich mich gegen 16 Uhr dann zu meinem nächsten Schlafplatz aufmache, fülle ich nochmal mein Wasser auf (1,5L Reserven). Das letzte Tageslicht kann ich dann noch zum Notizen machen, lesen und spanisch lernen nutzen. 

Auffällig ist auch, dass ich insgesamt müßiger werde. Ich denke nur ans Essen, wenn ich wirklich Hunger habe und komme mit vergleichsweise wenig aus. 

Ca. 1km dahinter am See war mein gestriger Schlafplatz

Das mag jetzt vielleicht etwas sentimental klingen, aber gestern Abend in einem Moment der Stille überkam mich eine tiefe Dankbarkeit für meine Mutter. Es ist so ein unfassbar tröstendes Gefühl, zu wissen, dass immer jemand da ist, der dich liebt und sich sorgt. Danke Mama für jeden deiner Gedanken an mich. 
Zwei gute Nachrichten noch:

Rene, einer meiner besten Freunde, hat zwar Bescheid gegeben mich doch nicht mehr begleiten zu können, aber genau an dem Tag kündigte Jakob an, den ich auf dem Utopival kennen- und liebengelernt habe, dass er wohl ab dem 20.11. dazustossen werde. Er ist auch auf dem Weg zu den Kanaren. Geiler scheiss! 

Und Jeanette, die ich zwar noch nicht kenne, aber vielleicht bald auf dem Weg nach Montpellier treffen werde, bahnt sich an! Sie ist mit dem Rad in der Gegend unterwegs und weckt grad meine Sehnsucht nach einem Gesprächspartner. Ich bin sicher, das wird eine tolle Begegnung. 

Ps: Es stimmt wirklich! Wenn man die Mücken einfach gewähren lässt, juckt und schmerzt ihr Stich nicht. Hätte ich das mal früher gewusst. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: