Tag 323 – 350 unterwegs

Dreieinhalb Wochen war ich nun im belgischen Teil der Eifel zuhause, zu Besuch bei einer befreundeten Freilerner-Familie, unmittelbar an meiner Heimat und irgendwie doch so weit weg von meinem heimatlichen Leben.

Es ist wohltuend, die Tage mit dem Sonnenaufgang zu starten, die Hühner und Esel zu versorgen, die gemeinsamen Mahlzeiten als willkommene Routine im Alltag zu haben und mit dem Sonnenuntergang so langsam ins Bett zu gehen, bestenfalls noch einige Seiten aus den Büchern von Paolo Coelho zu lesen, die ich mir hier ausleihen kann.
Und das aus meinem Mund. Ich, der doch eigentlich immer so gerne ausschläft, lieber drinnen als draußen arbeitet und nie großartig Tiere versorgt hat.
Aber ja, das ländliche, bäuerliche (ohne Bewertung) Leben tut mir gut, weil es sinngebend erscheint und ich merke, dass ich doch gar nicht so faul bin, wie mir mein ganzes Leben lang von Eltern und Lehrern attestiert wurde. Anscheinend hat einfach nur etwas gefehlt, was mich wirklich reizt. Eine Tätigkeit, die mit Sinn und Begeisterung gefüllt ist und weit weg von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen existiert.

DSC01954.JPG

Das Grundstück der Familie ist bis zum letzten Winkel bewohnt von allerlei Tieren, insbesondere die Hündin Schnippe (Selten ist mir jemand so authentisch und gegenwärtig begegnet wie sie. Nach nur wenigen Tagen haben wir miteinander eine Verständigung erreicht, wie ich sie noch mit keinem anderen nicht menschlichen Wesen hatte.
Sie versteht anscheinend jedes meiner Worte, zumindest reagiert sie optimal darauf.
Ich kann ihr im Gesicht und vor allen den Augen jedes Gefühl ablesen, so kommt es mir jedenfalls vor.)
, sowie die beiden sehr eigenen Esel, begleiten meinen Tag.

DSC01875.JPG

Wir ernähren uns zu einem großen Teil aus dem eigenen Gemüsegarten, im Sommer reicht dieser gar aus, damit sich die ganze Familie gemüsetechnisch selbstversorgen kann. Wir haben genügend körperliche und geistige Arbeit, die dem Leben unmittelbar dient und dabei ausreichend Zeit für uns, die Gemeinschaft (aktuell sieben Menschen, davon drei Kinder) und Fremde sowie Freunde.

Ich habe sogar Gefallen gefunden am Backen! Jeden zweiten Tag backe ich Brote, für die kommenden beiden Tage. Roggen-Dinkel Brote, mit folgendem Rezept:

Teig Ansatz am Vorabend
400g Roggenmehl (die Roggen- und Dinkelkörner werden in der eigenen automatischen Mühle zu Mehl verarbeitet)
600ml Wasser
3EL Teigansatz (eine Bäckerin erschuf mal einen fermentierten Teigansatz, den gab sie an eine Freundin, welche ihn wiederum der Familie weiterreichte. Der Teigansatz ersetzt quasi die Hefe, sodass der Teig nicht lange stehen muss, nicht zum Sauerteig wird. So spart man Zeit, da der Teig bereits am nächsten Morgen zum Brotbacken verwendet werden kann. Im Teigansatz sind also gewisse Bakterien enthalten, die einst gezüchtet wurden und nun immer weiter verwendet werden, indem von jedem neuen Teigansatz 3EL zurückgelegt und im Kühlschrank gelagert werden für den nächsten Teigansatz)
zum Teig rühren, 3EL Teigansatz entnehmen und verwahren, Teig stehen lassen

Teig am Morgen
600g Dinkelmehl
400ml Wasser
1EL Salz
Dem Teigansatz vom Vorabend hinzugeben, erneut umrühren bzw zum Teig verarbeiten, zwei Stunden stehen lassen und dann 1.5 Stunden bei 180Grad (ohne Vorwärmen) backen

Zwei Freunde haben mich während dieser Zeit sogar besucht. Wir haben viel über die radikale Eigenverantwortung gesprochen. Es ging darum, dass wir immer eine Wahl haben im Leben, unabhängig der Situation oder dessen, was uns anscheinend widerfahren sei. Wir haben immer eine Möglichkeit anders zu reagieren, als bisher, was uns wesentlich mehr Optionen eröffnet, als die Schuld oder Verantwortung an andere abzugeben, oder eben auf die Umstände.

Irgendwie erlebt jeder von uns seine Geschichte. Weil er Entscheidungen trifft, bewusst oder unbewusst, die immer Konsequenzen haben, fühlt oder denkt er gewisse Dinge.
Erst durch das Erkennen der Tatsache, die Realität anders gestalten zu können, angefangen im Jetzt, für die Zukunft, werden wir zum Geschichtenerzähler.
Letztendlich sind alles Geschichten – alles, was passiert und erzählt wird, lasst uns doch bemühen, sie so zu schreiben, dass sich jeder beim Erzählen darüber freut.

 

Ich kam hier in den Kontakt mit dem Possibility Management, wozu Gunnar und Judith, die mich hierhin eingeladen haben, regelmäßig Workshops nehmen und geben. Dessen Inhalte decken sich mit dem, womit ich mich seit Monaten täglich beschäftige und mache diesbezüglich meine ersten positiven Erfahrungen, indem wir die Inhalte in unserem gegenseitigen Umgang implementieren.

„Possibility Management ist eine frei zugängliche Art des Denkens, um Veränderung in den physischen, intellektuellen, emotionalen und energetischen Blockaden zu bewirken, die dich selbst davon abhalten, großzügigen Nutzen aus jenen Möglichkeiten zu ziehen, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind – alltägliche Lebenslagen zu bewältigen, indem du die Kraft eines neuen Hebels nutzt: Radikale Verantwortung.
Es bestärkt die Menschen darin, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, ist dabei ökologisch tragfähig und ohne hierarchische Machtstrukturen.

Indem die Denkweise untersucht wird, die du gegenwärtig benutzt, werden neue Optionen von Denkweisen zur Wahl gestellt.
Nur weil du eine bestimmte Denkweise benutzt, heißt es nicht, dass dies die einzige Denkweise ist, die dein Gehirn benutzen kann.
Possibility Management ist darauf spezialisiert, ein außergewöhnliches Gerüst von Denkweisen zu vermitteln, das dich darin bestärkt, Verantwortung für Dinge zu übernehmen, bei denen du nie geglaubt hättest, dass man dafür Verantwortung übernehmen könnte.“

Getreu Albert Einsteins Beobachtung:
„Wir können unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind.“

Weiterhin hatte ich hier die Gelegenheit gemeinsam mit fünf wunderbaren Menschen über einen längeren Zeitraum ins Leben einzutauchen, Homeschooling besser zu verstehen und mitzuerleben, Situationen in der Gemeinschaft zu lösen, vor anderen seine Gefühle offen preiszugeben, wieder mehr über mich zu lernen und langsam ein Gefühl dafür zu entwickeln, worin ich mich die kommenden Monate erfinden möchte.

Ich finde nämlich immer mehr zum Geschriebenen und selbst zum Schreiben, merke jedoch, dass ich schnell an meine Grenzen komme, sobald ich nicht mehr ausschließlich über meine Erkenntnisse oder Erfahrungen schreibe. Ich möchte wieder kreativer im Kopf werden und beginne deswegen mit Gedichten und Liedertexten, sodass mein Schreibstil flexibler wird.
Bestimmte Worte und Bücher versetzen mich in einen meditativen Zustand, geben mir Ruhe und Wissen und zeigen mir mögliche Wege.
Ich erkenne großes Potenzial im geschriebenen Wort und spüre den Wunsch, zu erlernen, wie ich daraus mein Potenzial schöpfen und anderen einen Dienst erweisen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: