Habenmüssen

Unser aller Ausgangspunkt im Leben ist der Zustand des „Habenmüssens“. Wir „haben“ brave Kinder oder reife Erwachsene zu werden. Wir müssen Erziehung, Glück, materielle Güter „haben“ oder erhalten, die unser Überleben sichern und unser Prestige erhöhen. 

Dieses ganze „Habenmüssen“ beruht auf dem universellen Wunsch nach Befriedigung. Wir leben in einer verdunkelten Welt des Gewinnens oder Verlierens, in der Menschen im allgemeinen nicht gewinnen oder „haben“, wenn ein anderer nicht verliert. Die Grundlage des konkurrierenden Gewerbes. Die geschäftlichen, persönlichen und ehelichen Beziehungen, in denen das Leben offensichtlich ein Wettkampf ist, lassen diesbezüglich keinen Zweifel aufkommen. Es ist eine bestimmte Blindheit damit verbunden, und nur wenige Leute scheinen zu sehen, dass „Habenmüssen“ keine Befriedigung bringt. Und dennoch wenden wir auf der Suche nach Befriedigung wieder und wieder das gleiche Muster an. Wir hoffen, dass die ersten paar tausend Male des „Habens“ Nieten waren und dass uns das nächste „Haben“ die langersehnte Befriedigung bringt. Wenn wir nur jenen idealen Sexual- oder Ehepartner hätten, jene hohe Position, die mit genug Prestige oder Gehalt verbunden ist, jenes tolle Haus, jenes Traumauto, das uns wunschlos zufrieden machen wird. Wir glauben, wenn wir nur die „richtigen“ Eltern oder Kinder „gehabt“ hätten oder wenn wir nur in dem „richtigen“ Stadtteil wohnen würden, wären wir jetzt zufrieden. 

Die Wahrheit ist: Zufriedenheit steht dir genau jetzt zur Verfügung, ohne irgendwas „haben“ zu müssen. Das Geheimnis liegt im Geben, nicht im Haben. Aber pssssst, nicht weitersagen 😉 

Die Sache hat jedoch einen Haken. Wenn du gibst (anderen dienen), um zu „haben“, dann ist das kein Dienen, es ist lediglich mehr „Habenwollen“, das so aussehen soll wie Geben und nicht besser funktioniert als offenes „Habenwollen“. Um im Leben wirkliche Zufriedenheit zu erlangen, musst du „Habenwollen“ und, was das gleiche ist, „Geben, um zu haben“, aufgeben. 

Mit anderen Worten: Um im Zustand der Zufriedenheit zu sein, musst du aufgeben, was du gewöhnlich zu sein meinst. Programmiere und erfinde dich selbst neu, zu dem, der du tatsächlich bist. 

Während dieses Hingebens wirst du dich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass es so, wie du dein Leben bisher geführt hast, nichts gebracht hat, egal wie gut du die „Symbole“ (dein Eigentum, deine Geschichte, alles woran du festhältst) beisammen hast, um zu beweisen, dass es funktioniert. Die meisten von uns haben eine starke Bindung an ihre Symbole und der Gedanke, sie aufzugeben, wirkt sehr bedrohlich. 

Mit Aufgeben meine ich aber nicht, sie nicht zu besitzen. Ich meine, sie umzuwandeln, sodass dein Eigentum nicht „deines“ ist, sondern anderen gehört und anderen zu Diensten benutzt wird. Sich selbst wegzugeben oder hinzugeben bedeutet nicht, arm zu werden. Zumal noch niemand arm durch Geben geworden ist. 

Sich deinem Leben hinzugeben bedeutet, die Wichtigkeit all dessen aufzugeben, was du „ergattert“ hast. Zuzugeben, dass das Spiel des Lebens vorbei ist, dass du gewonnen hast, obwohl der „Beweis“ nicht auf der Hand liegt. Deine Identifikation mit Dingen wird leiden und das ist gut so, weil es immer nur eine Illusion war. Wenn du das tust, wirst du merken, dass du zufrieden und erfüllt bist, ganz gleich, in welcher Beziehung du dich befindest. 

Wir brauchen nicht mehr, um zufrieden zu sein. Wir haben nur zu viel von dem, was uns daran hindert. 

Du wirst an jeder Arbeit, die du tust, Freude haben. Wo auch immer du wohnst, es wird der Ort sein, der sich zufriedenstellt. Du wirst nicht den perfekten Lebensgefährten, Haus, Auto, Ort, Eltern, Kinder haben müssen, denn dadurch dass du dich hingegeben hast, befindest du dich außerhalb des Gewinn/Verlust-Systems und hast bereits alles gewonnen. Deine idiotischen „Bilder“ davon, wie alles sein „sollte“, verblassen und verschwinden. Du wirst nicht immerzu denken, dass du oder andere besser oder schlechter sind als irgendein anderer. Deine Fähigkeit zu lieben wird eine realisierte, keine romantisierte, Tatsache sein. 

Merkwürdigerweise geschieht häufig erst dann, wenn wir das „Habenmüssen“ aufgegeben haben, dass unsere Umgebung anfängt, uns all das zu geben, was wir vorher meinten, haben zu müssen. Ich habe das bei mir selbst beobachtet, in Bezug auf die Verständigung mit meinen Eltern, Liebeserfahrungen und der Freiheit, die ich nun verspüre. Aspekte meines Lebens, die aus meiner Sicht vorher zu wünschen übrig ließen. Ich habe dies darüber hinaus bei anderen beobachten dürfen, die diesen Weg ebenfalls eingeschlagen haben. Plötzlich kommt alles zu einem. 

Aber das spielt keine wesentliche Rolle mehr, da es im Leben nicht ums „Haben“, sondern ums Geben und Dienen geht. 

Ein Freund verdeutlichte mir vor kurzem, dass wir in unserer Gesellschaft davon ausgehen, erst etwas tun zu müssen, um dadurch etwas zu bekommen, also zu haben. Dann seien wir jemand (Tun – Haben – Sein)

Die natürliche Dynamik ist jedoch genau umgekehrt und funktioniert deutlich besser und einfacher, da uns so das Leben bestmöglich helfen wird alles zu erreichen: Wir sollten uns erstmal darüber bewusst werden, wer wir sind. Mit all unseren Fähigkeiten und Stärken. Dann haben wir eine ganze Menge gewonnen, alles, was uns ausmacht, womit wir uns identifizieren können und unser weiterer Lebensweg wird sich aufgrund unserer Fähigkeiten deutlich machen. Darauf basierend können wir beginnen zu Tun, nämlich das, was wir lieben. (Sein – Haben – Tun) 

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