Ein Dreier, der keiner war: Freundschaft, Sex und ich mittendrin

In meiner letzten Liebe konnte ich erstmals bewusst beobachten, welche Gedanken durch meinen Kopf rasen, während eine Beziehung zwischen meiner Freundin und einem anderen Mann Wert erhält, der meine Verbindung zu ihr zu bedrohen scheint. 

Ich habe mit Eifersucht nie dergleichen Schwierigkeiten gehabt, als dass daraus für mich ein längerfristiges Leid entstanden wäre. Es blieb beim kurzzeitigen Schmerz, wohl aber auch, weil dieser nie wirklich genährt wurde. Ich bin dafür dankbar. 

Und doch fehlt es mir nicht an Vorstellungskraft, auszumalen, welch intensive Gefahr von Gefühlen wie Eifersucht ausgeht, wie schnell sich die eigene Angst in wirkliche Gefahr manifestieren kann (den Verlust der Beziehung, weil der andere nicht mehr das Gefühl bekommt eine freie Wahl zu haben) und vor allem, dass ich die dazu benötigten inneren Haltungen bereits in mir trage. 

Nachdem ich die vergangenen Wochen auch darüber viel nachdenken konnte, um für mich eine erkenntnisgetragene Haltung zu entwickeln, bekam ich unmittelbar die Möglichkeit, mich zu ändern. 

Es sollte sich zwischen uns so entwickeln, dass wir aneinander fanden. Zueinander. Wir haben Nächte miteinander verbracht, nachdem wir unseren gemeinsamen Quell des Ausdrucks in der Sprache feststellten, uns gestreichelt und gerne die Zeit gemeinsam erlebt haben. Sie muss einer der schönsten Menschen sein, göttinnengleich, für den ich mich bisher eingelassen habe. 

Nun war es anfangs für mich nicht ohne Widerstände möglich zu akzeptieren, dass sie auch die Nähe zu weiteren Menschen suchte. Unweigerlich kam mir der Gedanke, dass ich es zeitgleich nicht anders tue. Doch ich war mir sicher, dass ich gewillt bin all meine Aufmerksamkeit nur ihr zu schenken, die Momente nur mit ihr zu erleben – sollte sie es denn wünschen. Ich sprach es nicht an. Ich trug es mit mir, während ich meine Arme um jemand anderen legte. Ich trug es mit mir, während meine Augen den Kontakt zu anderen fanden. Ich trug es mit mir, während ich bei ihr war. 

Ein guter Freund verstand sich mit ihr. Ein Dreier wurde mal Thema, wurde dann schnell ernster, nachdem alle drei Ihr Interesse bekundeten. 

Es wurde dennoch keiner und ich kann rückblickend nicht mal mehr sagen, weshalb. Mir ging es gemischt mit dieser Vorstellung. Auf der sexuellen Ebene wirkte unser Vorhaben für mich interessant, erregend sicherlich auch, aber lieber wäre es mir ohne weitere männliche Beteiligung gewesen. Ich fragte mich aber, ob das wahrhaftig Ich wäre, der dort im Zelt mit einem guten Freund und einer wunderbaren Frau schläft. Wie würde ich agieren, wie mich fühlen? Mir wurde doch eher unwohl dabei und ich äußerte dies. 

Nachdem sie und er aber beschlossen unbedingt miteinander intim werden zu wollen, suchten sie beide mein Einverständnis. Ich gab es, wohlwissend nicht in der Position zu sein, ihre Begierde verurteilen zu können. Ich gab es ihm, weil er mein Freund ist und ich ihm gönnen kann. Ich mir innerlich aber doch wünschte, dass er einfach aus Rücksicht gar nicht die Option in Betracht ziehen würde, mit ihr zu schlafen. Er spürte es, er begann zu zweifeln. Er wollte nicht mehr, nicht, wenn es für mich ein Problem sei. Wir sprachen offen darüber, was letztendlich den Raum für ein spannendes Gespräch, lehrreiche Erkenntnisse, eine noch tiefere Freundschaft und keine beste Nacht, aber einen noch besseren Morgen für mich eröffnete. 

Ich gab es ihr, wohlwissend, dass sie es nicht brauchte, es aber zur Vollständigkeit der Situation führte. Sie war diejenige von beiden, die mich mit ihrem Wunsch nach Intimität mit ihm, nachdem es doch zwischen uns so schön war, enttäuschte. Die gute alte Enttäuschung, da war sie wieder. Das Ende der Täuschung. Dieses Mal würde ich anders damit umgehen. Würde nicht die Angst haben, jemanden zu verlieren, wenn sie sich außerhalb meiner Komfortzone bewegt. Würde nicht nochmal riskieren eine Beziehung zu jemanden komplett zu verlieren, indem ich sie vor eine Wahl stelle. Drum stellte ich keine, ich bot beiden den Raum, zu tun, was sich richtig anfühlte. Und mir gab ich den Raum, über mein Empfinden dabei offen zu reden, dem an Kraft zu nehmen und es auszuhalten. 

Am nächsten Morgen kam er an mein Zelt und wollte mit mir über die Nacht sprechen. Wir gingen zum See, reflektierten und stellten fest, dass die letzten zwölf Stunden uns zu Freunden gemacht hatten. Dass dieses Band zu stark war, um von etwas, an dem beide arbeiten möchten, angegriffen werden zu können. Wir sind verbunden. 

Ich ging frühstücken, hatte mir zu viel auf den Teller getan und beschloss sie mit dem Rest im Zelt zu wecken. Uns ging es gut, ihr und mir. Wir sprachen, kamen uns näher, küssten uns, aßen miteinander und sie gestand, wie angenehm überrascht sie ist. Sie habe es nie erlebt, dass eine derartige Situation so komplikationslos die Beziehung unberührt ließ. Ich auch nicht. Und mal abgesehen davon, was in der Nacht passiert ist, oder nicht davon abgesehen, warum sollte es etwas daran ändern, wie wir beide miteinander umgehen? Warum sollte sich irgendwas ändern, wenn die Gefühle zueinander immer noch die gleichen sind? Oder gar noch besser, weil Vertrauen geschaffen wurde. Wovor hatte ich immer Angst gehabt?

Ich habe viel nachgedacht, um für ein Problem, das ich selbst steuere, eine Lösung zu finden. Habe daraus Erkenntnisse gezogen und stelle nun im dritten Schritt fest, dass es verdammt gut tut alte Muster loszulassen. Dass ich es kann. Aber noch viel wichtiger: 

Dass keine Grenzen zu ziehen nicht dazu führen muss, den anderen zu verlieren, sondern mit ein wenig Vertrauen und offener Kommunikation, uns näher zueinander führt. 

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