LSD – Erlebe dich selbst!

Seit nun knapp zwei Jahren trage ich den Wunsch in mir LSD auszuprobieren, wohlwissend, dass es dem Zustand auf Magic Mushrooms sehr ähneln kann. Eine Gelegenheit erbot sich für mich vor zwei Jahren auf Malta, doch schien mir die Situation damals nicht passend genug. 

Dieses mal schon. Ich saß am Wasserfall. Umgeben von herrlichster Natur, vertieft in ein Gespräch mit Annika, welche ich erst kurz vorher das erste Mal traf und an diesem Tag vorerst auch das letzte mal. Ich bin dankbar darüber, denn so bleibt mir der Zauber jener bewundernswerten Begegnung noch länger erhalten. Neben ihr saß zudem jemand, der soeben einige Tropfen in seine Wasserflasche füllte. Ich wurde aufmerksam, wir kamen ins Gespräch über LSD und ich durfte mir zwei standesgemäße Schlücke gönnen. Die kommenden sechs Stunden sollte ich leben dürfen, wie nie zuvor.

Eine halbe Stunde später verließ ich mit Annika den Ort auf dem Weg zu ihrem Camp auf dem Rainbow, auf dem wir uns befanden. Während wir durch einen dschungelhaften Wald spazierten wurde meine Stimmung zunehmend besser, bis ich mit dem Lachen kaum aufhören konnte und ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Ich bemerkte, wie verbunden Annika sich mit unserer Umgebung fühlen musste, jede ihrer Bewegungen schien so – sie bestätigte dies. 

Wir entschieden uns doch zur Menschenmenge am Maincircle zu gehen, denn mich zog es nach dem langen Weg zu zweit zu neuen Gesichtern. Dort angekommen erwartete mich eine magische Atmosphäre. Knapp einhundert Menschen waren versammelt, einige in Gespräche vertieft, die meisten musizierten und tanzten zusammen. Ein Schamane, zumindest wirkte er wie einer, initiierte einen Gruppentanz. Er führte vor, ungefähr zwanzig Menschen mimten ihn nach. Sofort spürte ich den Drang mitzuwirken, tat dies auch und merkte beim Tanzen, wie alle um mich herum vor Freude strahlten. Sie lachten, sodass ich mein inneres Befinden umgehend in den Menschen um mich herum gespiegelt sah. Ich kann kaum beschreiben, wie intensiv ich die Musik drumherum empfand. Mein Körper fühlte sich mächtig an, voller Energie und Euphorie darüber, diese Situation soeben erfahren zu dürfen. Der Moment wurde heilig. Es war ein unglaublich erfüllendes Gefühl mit all diesen leuchtenden Menschen  zu tanzen, sich über das Leben zu freuen und gemeinsam diesen „Film“ zu schieben, indem wir uns wohl zweifelsohne alle befanden. Das was viele träumen nenne ich Realität. 

Irgendwas an Annika zog mich urplötzlich in den Bann. Als ich sie zur Musik bewegen sah, konnte ich kaum noch wegschauen – nicht, dass ich das wollte. Sie muss die Verkörperung dessen sein, was ich für mich als „das Weibliche“ deklariere. Abgesehen davon, dass sie ein bildschöner Mensch ist, und wohl nicht nur mich verzauberte, fand ich ihre Ruhe und Ausstrahlung besonders betrachtenswert. 

Doch es war genug, ich hatte wieder Lust mit jemandem zu reden und wollte mich bewegen, den Trip in der nächsten Kulisse genießen, Neues ausprobieren, Grenzen spüren. 

Daher machte ich mich auf zu unserem Lager, einige hundert Meter entfernt den Fluss entlang. Noch nie bin ich barfuß so zügig und sicher gelaufen, tatsächlich gesprintet. Vorbei an allen Menschen auf meinem Weg, über Steine, Schlamm, Abhänge und den Fluss. Nicht ein Moment der Unsicherheit, ich war völlig verblüfft. An keinem der Tage zuvor oder danach habe ich barfüßig auch nur annähernd dieses Tempo wieder erreichen können. 


Ich fand einen Moment der Stille, als ich unterwegs an einer Pflanze stehen blieb. Sie schimmerte. Bewegte sich, schien zu atmen, sich zu erheben und wieder fallen zu lassen. Ich konnte farbliche Verbindungen von ihr ausgehend zu anderen Pflanzen erkennen, kniete mich nieder und muss wohl eine ganze Weile mit offenem Mund die sich mir offenbarende Pflanzenwelt bestaunt haben. Menschen gingen vorbei, lachten mit mir, oder über mich. Sie hatten jedenfalls Spaß und ich auch. Ich ging weiter, rannte die letzten hundert Meter so schnell ich nur konnte, weiter barfüßig und absolut geerdet, über Baumstämme und nasse Erde. Am Lager angekommen fand ich meinen Mitbewohner sofort und freute mich, ihm über mein Erleben berichten zu können. Ich bin mir sicher, niemand besseren gefunden haben zu können, der mir so viel Raum zum erzählen bietet und mir derart offen und vorbehaltlos zuhört. Danke dafür, du wunderbarer Mensch. 

Den Rest des Trips blieb ich in unserem Lager, in bester Gesellschaft von einigen wenigen guten Menschen, mittlerweile vielleicht sogar Freunden. Ich kletterte mühelos einen morschen Baum hoch, auf dem ich einige Zeit sitzen blieb und staunend meine Umgebung inspizierte. Nie im Leben würde ich sowas nüchtern machen, wissend, dass ich motorisch einfach zu ungeschickt und untrainiert bin Bäume in Schrittgeschwindigkeit hochzuklettern, um jeglichen Risiken vorzubeugen. Nicht aber auf LSD, mein Körpergefühl empfand ich nun als einzigartig. Nichts erdenkliches wirkte unmöglich. Noch nie waren mir physikalisch solche Türen geöffnet. 

Ich malte mit dem Finger Muster in die Luft, die sichtbar blieben. Gemälde entstanden, für die mir sonst meiner Meinung nach jegliche Begabung und Kreativität fehlt. Mit geschlossenen Augen bildeten sich vor mir Fraktale und Formen in allerlei Farben, die mich faszinierten – vor allem, da sie mit jedem Moment anders aussahen. Stetig im Fluss waren. Was ist das für ein Universum, welches erst auf Drogen erkennbar wird? Ich sah abermals, wie schon auf Pilzen, die Blume des Lebens und weitere perfekte mathematische Muster in der ganzen Umgebung, im ganzen Himmel. 

Stichwort sehen: ich kann nachvollziehen, dass einiges für Außenstehende wie Halluzinationen wirken muss. Nachwievor bin ich jedoch der Ansicht noch nie halluziniert zu haben. Ich konnte, wofür ich zum realisieren selbst einige Zeit brauchte, im dunkeln perfekt sehen. Jede Pore des Holz im Feuer, jeden Millimeter der Blätter und alles weitere. Sehen bekommt, nicht nur auf der Ebene der Detailliertheit, unter LSD eine völlig neue Bedeutung. Es scheint mir überflüssig zu erwähnen, dass ich nichtmal meine Brille dafür brauchte. Was möglich ist im Leben muss nach einer solchen Erfahrung grundsätzlich neu in Frage gestellt werden. 

Alles verband sich miteinander, niemanden und nichts konnte ich mehr separat voneinander betrachten, denn alles verschmalz zu einer Kulisse. Als betrachte man ein Bild, oder ein Foto. 

Denn dein Ich ist das Prisma durch das sich das Licht bricht

Es bündelt, selektiert und stellt sich dar wie deine Ich-Sicht

Ich glaub, in Wirklichkeit ist dein Ich viel umfassender

Ein Teil des Teils

Und wieder sein wird wenn du dein Ich verschmelzen lässt

Mit allem um dich rum, mit dem Irgend und dem ganzen Rest

(Käpt’n Peng, Sockosophie)

Sehr interessant gestaltete sich die erneute Begegnung mit Ferdi. Erst am Mittag hatte ich ihn erstmals getroffen und mich noch gefragt, was mit ihm anders sei. Er schien keinen wirklichen Draht zu seinen Mitmenschen aufbauen zu können – und sie noch weniger zu ihm -ich nannte ihn „skurril“, verstand ihn nicht. Er hatte etwas psychotisches an sich, war ungewöhnlich ruhig, sprach sehr direkt und bewegte sich kaum. Sein Blick schimmerte mir unbekannt und seine Art völlig im Moment zu sein begriff ich noch wenig. Erst unter LSD-Einfluss fand ich meine Verbindung zu ihm. Sofort. Niemand anderen verstand ich plötzlich besser. Mir fiel auf, dass Ferdi all die unnatürlichen und sinnlosen Verhaltensmuster abgelegt hatte, die unsereins noch mit sich trug. Er ist beachtlich achtsam und bewusst. Auf einigen Ebenen war er weitaus entwickelter, als ich. Ferdi sprach unmittelbar seine Gedanken aus, bewegte sich nur, wenn es notwendig war. Seine Fähigkeit im Jetzt zu leben gestaltete sich einige Male jedoch für andere zu Schwierigkeiten, wenn Ferdi unzuverlässig genannt wurde, weil er sich urplötzlich gegen die Abmachung für etwas anderes entschied, was für ihn just in dieser Sekunde eben mehr Bedeutung erhielt. 

Ich kann es weiterhin kaum in Worten beschreiben, aber mir gelang es ohne jeglichen Aufwand jeden Menschen um mich herum umgehend zu verstehen. Welche Gedanken er hatte, was seine Motive waren und wie ich auf ihn bestenfalls reagiere. Völlig intuitiv. Mit keinem anderen als mit Ferdi fand ich dabei eine derartige Verbindung. Er nüchtern und ich auf LSD, jetzt waren wir auf Augenhöhe. 

Selten habe ich mich bisher besser gefühlt. Natürlich, auch jetzt beteuere ich, dass für dieses Empfinden nicht zwingend Drogenkonsum notwendig ist. Ähnliche Zustände habe ich unter Meditation und in Momenten, in denen es mir wirklich gut ging, erreicht. Vor allem meine Wirkung auf andere war dann vergleichbar mit der im Trip. Ich hatte das Gefühl ausschließlich auf Resonanz zu stoßen und bekam meine Ausstrahlung umgehend gespiegelt. Ich merke, dass die Dinge nicht absolut sind, dass jeder eine eigene Sicht auf sie hat. Und dass die beste Art zu erfahren, wer wir sind, häufig ist, herauszufinden, wie die anderen uns sehen. 

Aber nie habe ich diese Konstanz über Stunden, dergleichen Fähigkeiten auf mentaler und körperlicher Ebene und so ein intensiv lebensbejahendes Gefühl entwickelt. Es ist schwierig die eigene Offenheit, begleitet von dem völligen Gefühl der Ekstase, in solchem Maße nüchtern aufrecht zu erhalten. Wisst ihr eigentlich, was das Wort Ekstase bedeutet? Es stammt aus dem Griechischen und bedeutet aus sich heraustreten. Den ganzen Tag außerhalb seiner selbst verbringen hieße, vom Körper und von der Seele zu viel zu verlangen. Das spricht, aus meiner Sicht, für solche Erfahrungen mit „Drogen“. 

Am Ende bleibt es eine hohe Konzentration der eigenen subjektiven Weltwahrnehmung, die solch ein Trip darlegt. Man wird nur dem begegnen, was man selbst mitbringt. LSD macht aus uns keinen anderen Menschen. Wo nichts ist, wird auch nichts geschehen. Wer im Unreinen ist, hat zurecht zu befürchten. 

7 Kommentare

  1. Der Meister ist anwesend, und zeigt einem die eigenen Fähigkeiten. Schöner Bericht, man wünscht, es wäre wieder Sommer.

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    1. Danke dir 🙂

      Ja, oh Gott du hättest da sein müssen. Sommer. Dschungel. Wasserfall. Tolle Menschen. Bestes setting für den Trip 😉

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  2. Wundervoll. Da bekommt man richtig Lust.
    Ich teile Deine spirituellen Ansichten, die hier deutlich werden und finde es sehr schön, wie selbstreflektiert Du durch die Welt gehst. Danke fürs Teilen dieser Erfahrung!

    Namasté

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    1. Danke, da haben wir doch glatt einen ähnlichen Eindruck voneinander 😃

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      1. Denk ich auch ^^

        Übrigens hab ich mir nen Ast gefreut, als ich die ersten Worte des ehrenwerten Peng las! Ich habe ihn auch selbst schon zitiert und freue mich immer total, wenn ich Menschen begegne die seine tiefen Texte verstehen 🙂

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      2. Nice! 😃
        So ging es mir als ich deinen Beifußbericht gelesen habe und dass du Interesse an Astralreisen und luzidem Träumen hast 😃 ich hab das Gefühl mit meinem Spiegel zu schreiben 😃

        Musiktip: cr7z
        Filmtipp: Waking Life

        Enjoy! 😁

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  3. Hat dies auf Self rebloggt und kommentierte:
    LSD – Erlebe dich selbst! Ein wahrlich wunderschöner und reflektierter Tripbericht. Sehr selten reblogge ich etwas, aber genau so selten sind auch derart tiefgreifende Tripberichte.

    Danke fürs Teilen Boris!

    Gefällt 2 Personen

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