European Rainbow Gathering 2016

Vom 14.-21.08. durfte ich Teil des großen Rainbow Gatherings an der Grenze zwischen Italien und Slowenien (hinter Udine) sein. 

(Das Welcome Home markiert den Eintritt auf’s Gelände)


Erst am Vormittag hatte sich für mich noch spontan die Möglichkeit ergeben, gemeinsam mit Andi und Martin, dorthin zu fahren. Die beiden hatten sich selbst erst „zufällig“ am Abend zuvor kennengelernt. Einige sehr kuriose Umstände aus den vergangenen Tagen hatten uns drei Gleichaltrige nun zusammengeführt, wobei wir doch alle drei eigentlich nicht mehr hinreisen wollten aufgrund der organisatorischen Komplikationen bezüglich des Ortes. 
Über das Rainbow wusste ich insgesamt noch nicht viel, nur, dass ich mich mit den Menschen, die bereits mehrfach oder einmalig dieses Event in der Vergangenheit besucht hatten, bisher sehr gut verstand. Das freundschaftliche Miteinander, der heilige Moment, Brüderlichkeit und Liebe mussten eine zentrale Rolle spielen. Viele Menschen, die einen alternativeren Lebensstil vorleben (nicht wenige, die sich selbst als Hippies bezeichnen), weitestgehend drogenfrei, treffen dort aufeinander. Viele Familien würden mitsamt Kleinkinder dort sein. Es gibt keine feste Organisation im Sinne von Verantwortlichen, das Event ist hierarchiefrei und anarchistisch aufgebaut. Gelebt wird über mehrere Wochen auf einem freien Gelände, mitten in der schönsten Natur. 

(zu den Mahlzeiten und besonderen Anlässen wird sich im Maincircle zusammengefunden)


Klingt alles ganz angenehm, also rein ins Abenteuer. 

Ich möchte das „Negative“ vorweg nehmen: es waren mir zu viele Menschen. Im Schnitt müssen wir ungefähr 1000-1400 gewesen sein, für mich persönlich deutlich zu viele, um das Gefühl zu haben, zu jedem auch nur annähernd eine Verbindung aufgebaut zu haben. Ich weiß nun, dass ich mich in Gruppen mit über 150 Menschen nicht dauerhaft wohl fühlen kann bzw möchte. 

Ansonsten hat mich das Rainbow auf einigen Ebenen sehr positiv empfangen. Es war ein deutlich spirituelleres Zusammenkommen, als all meine bisherigen Events. Eine Ebene, deren Relevanz für mich immer größer wird und die ich gesamtgesellschaftlich als die vielleicht weitreichendste aller Ebenen sehe. Ich war froh darüber, dass keinerlei politische Botschaften transportiert werden sollten. Stattdessen war Kern jedes Workshops (den ich mitbekam), jeder gemeinsamen Mahlzeit und jedes Miteinanders die Eigenverantwortlichkeit unserer Gedanken und Handlungen. Unsere Verantwortung der Mit- und Unwelt, uns selbst und vor allem unseren Kindern gegenüber. In allem was getan wurde, war Nachhaltigkeit ein oder der wichtigste Aspekt. Gegessen wurde ausschließlich vegan und rohköstlich. Die Natur vor Ort wurde gepflegt und nicht verunreinigt hinterlassen, unsere Verbindung zur Erde immer wieder betont, ebenso unsere Verpflichtung Mutter Erde sorgsam zu behandeln. Gute Menschen gingen für andere als Beispiele voran. Menschen, wie Könige. Könige ohne Umhänge, nackt und mit einer ungeheuerlichen Ausstrahlung. 

Besonders inspirierend war für mich persönlich die Vollmondzeremonie, die sich in erster Linie so gestaltete, dass ein Kreis aus ca. 20 nackten Menschen um das gewaltige Feuer am Maincircle tanzte und jubelte, dazu musiziert wurde und weitere Kreise aus Menschen drumherum feierten und zelebrierten. Es war laut. Exzessiv. Intensiv. Reinigend. Nur wenige Sekunden habe ich gebraucht, um für mich die Entscheidung zu fällen, mich der tanzenden Menge im inneren Kreis anzuschließen. Im Leben wäre es mir früher nicht eingefallen nackt vor hunderten Menschen zu tanzen. Als Außenstehender hätte ich das Ganze wohl als „skurrile Sekte“ abgestempelt. Nun, mittendrin im Trubel, konnte ich nichts sektenartiges mehr erkennen. Wir feierten das Leben und uns, nicht mehr und nicht weniger. Wir kannten dabei keine Grenzen und nur die größtmögliche Freiheit. Jeder tat aus freien Stücken und hätte jederzeit aufhören können, ohne dafür in der Gunst des anderen zu sinken. Davon abgesehen war es mit Kleidung unmittelbar am Feuer auch gar nicht auszuhalten. Es war unglaublich befreiend alles von sich zu lassen und wohl einer jener Momente, in dem man merkt, dass das Fallen zum Schweben wird, wenn man nur aufhört sich an Dingen oder Gedanken festzuhalten. 

Niemand brauchte mir zu erklären, was ich gesehen hatte: Leute, die mit geschlossenen Augen tanzen. Ich weiß, was das bedeutet, denn ich mache häufig das Gleiche, und das sind dann einige der wenigen Augenblicke des Friedens und der Ruhe in meinem Leben. Einige tun es, weil sie andere beeindrucken wollen. Einige wirken dabei so, als würden sie von einer größeren, mächtigeren Kraft bewegt. Solange ich denken kann, habe ich im Tanz etwas gefunden, was mich mit etwas in Verbindung bringt, das stärker ist als ich. 

Die Begegnung mit der höheren Energie ist für jedermann erreichbar, nur für jene nicht, die ihre Verantwortung anderen übertragen. Unsere Zeit auf dieser Erde ist heilig, und wir sollten Sie in jedem Augenblick feiern. Wie wichtig das ist, ist vollkommen in Vergessenheit geraten: Wir kochen und klagen über den damit verbundenen Zeitverlust, stattdessen könnten wir Liebe in Essen verwandeln. Wir arbeiten und empfinden dies als einen göttlichen Fluch, wo wir doch unsere Fähigkeiten nutzen sollten, um uns selber Freude zu machen und die Energie zu verbreiten. Auf dem Rainbow wird daran nicht nur wieder erinnert, sondern diese Einstellung zum Leben praktiziert. 

Ich habe auf diesem Rainbow einige neue Freunde gefunden, deren Weg mich noch weiter begleiten wird. Habe gute Kontakte knüpfen können, tolle Menschen kennengelernt und sie für eine Woche meine Familie nennen dürfen. Ich habe in der schönsten erdenklichen Natur gelebt, jeden Morgen im Fluss gebadet, im Wald geschissen, Wasserfälle und Berge genießen können, mir viel Raum für mich genommen, weitere eigene gedankliche Grenzen zu Fall gebracht und zu guter letzt einige Anstöße mitgenommen. 

Zudem ist während dieser Tage bereits mein vierter Traum in diesem Jahr wahr geworden. Wirklich passiert. Etwas, was mich tatsächlich sprachlos stimmt. Von Martin habe ich gehört, dies sei ein sehr verlässliches Zeichen dafür, dass ich auf meinem richtigen Weg bin. Ja, das fühle ich auch. Das Rätsel ganz verstanden habe ich aber noch nicht. Es ist schon ein verdammt abgefahrenes Gefühl ein Dejavu zu erleben, eine Situation zu erfahren, die man gänzlich so vor einiger Zeit oder gar vor Jahren nachts erträumt hat. 

Sind meine Träume dann nicht ein Blick in die Zukunft gewesen? Ist vielleicht sogar jeder Traum ein Blick in eine mögliche Parallelzukunft? Gibt es Parallelwelten? Kann jeder Traum wahr werden? Wieso träume ich von Menschen und Situationen, die mir erst in Monaten oder Jahren begegnen werden?

Nun, der Weg hat begonnen und wird gegangen. Das Rainbow hat geholfen Klarheit zu gewinnen und wird vermutlich nicht mein letztes gewesen sein. 

6 Kommentare

  1. Michèle Christen · · Antwort

    Danke Bruder, schöne Worte. Schön durftest du dein erstes Rainbow so erfahren. Ich war mit meiner 2,5 jährigen Tochter dort und habe den Platz in Italien sehr genossen, vor allem das allmorgendliche Baderitual im Natur Fluss-Becken. Übrigens ist das organisatorische Chaos nicht normal für ein Rainbow 😉 und die kleineren Gatherings sehr zu empfehlen. Blessed LOVE

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  2. Anonymous · · Antwort

    Danke…

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  3. Das sieht nach einem echt tollen Event aus! Danke fürs Teilen!

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  4. Anonymous · · Antwort

    Danke!

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  5. Philipp · · Antwort

    Ein Freund und ich hatten auch fest vor dieses Jahr beim Rainbow dabei zu sein.
    Das ganze organisatorische Chaos, die teilweise abschreckenden Kommentare einiger Menschen in den Facebookgruppen und auch ein bisschen das zwischenzeitlich sehr schlechte Wetter haben uns letztendlich davon abgehalten.

    Ich war noch nie auf einem Rainbow Gathering war eigentlich sehr gespannt!
    Freue mich sehr, dass du dich nicht hast abhalten lassen und so schöne Erfahrungen gemacht hast!

    Liebst,
    Philipp

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    1. Vielen lieben Dank dir für deine Worte und Mitfreude 🙂
      Womöglich sehen wir uns nächstes Jahr.

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