Utopie-Camp mit „Flüchtlingen“

Vom 17.-23. Juli fand in Overath ein UtopieLightning, angelehnt an einen UtopieFlash, am Schulzentrum auf dem Gelände von „Flüchtlingsunterkünften“ statt. 

(die Initiatoren Sofia und Vamos) 

Circa 30-40 Menschen besuchten das von Vamos Zirkeldreher und Sofia Engel initiierte Camp im Laufe der Woche, der Großteil verweilte und schlief auch bei uns. Weitere 10-15 Geflüchtete gesellten sich kontinuierlich zu uns, mal mehr mal weniger, wobei die gelungene Integration beider Seiten vor allem die letzten Tage einen besonderen Höhepunkt erreichte. Sprachbarrieren fielen wie Hagel, das Vertrauen und die Zuneigung zueinander wuchs mit jeder Minute. Ich glaube relativ schnell war beiden Parteien, den temporären Campteilnehmern und den dort lebenden Menschen, klar, dass man es jeweils mit einer Menge wirklich guter Menschen zutun hat. 

Mich hat vor allem die unglaubliche Höflichkeit und Akzeptanz inspiriert, nicht weniger aber die Tatsache, dass derzeit so viele Menschen nach Europa fliehen, die ein Arsenal an mentalen Fähigkeiten besitzen, von denen unsereins träumt. Wir sind dort Menschen begegnet, die alles verloren haben, was in ihrem Leben Wert hatte. Der Beruf, die Zukunft in der Heimat, die Liebsten und im schlimmsten Fall die Hoffnung auf Besserung. Menschen, die sich geweigert haben in den Krieg zu ziehen, die weder morden wollten noch ihr eigenes Leben für jemand Fremden riskieren. Menschen, die im Gefängnis gefoltert wurden, weil sie Staatsbeamte daran hinderten Zivilisten körperliche Gewalt anzutun. Menschen, die dem Rad der Maschine nicht weiter dienen wollten, die sich nach Erfüllung und Liebe sehnen und uns Besuchern in jedem Moment das Gefühl vermittelt haben hier bei Ihnen willkommen zu sein. Menschen die an unserem Leben nicht weniger interessiert waren, als wir an ihrem Schicksal. Menschen, die wunderbar mit Kindern umgehen, Frauen den größten erdenklichen Respekt zollen und jeden Mann wie einen besten Freund behandeln. Menschen, die wirklich was verkraften, stark sind, größte Schwierigkeiten im Leben trotz maximaler Widerstände meistern und dabei nie vergessen haben, dass wir alle hier sind, um zu lieben. 


Nun, was haben wir eine Woche lang gemacht? 

Nach außen müssen wir hin und wieder wohl wie eine „Hippie“-Community gewirkt haben. Ich tu mich damit weiterhin schwer, nichtsdestotrotz kann ich nachvollziehen, dass zwanzig Menschen um ein Lagerfeuer teilweise halbnackt tanzend, singend und lachend gewisse Assoziationen aufrufen. Doch wir haben bewegt. In den Herzen, wie auch auf lokaler Ebene. 

Wir haben eine Woche lang dafür gesorgt, dass Menschen nicht mehr vom Gelände gehen wollten, weil es so schön war, dass die Geflüchteten uns nicht mehr gehen lassen möchten, weil sie uns so sehr ins Herz genommen haben, dass aus mehreren Kultursträngen ein gemeinsamer Wunsch entstand – die Zeit einfach miteinander zu verbringen, weil es so befriedigend ist. 

Tagsüber haben wir trotz der stetigen Hitze ein gewisses Rahmenprogramm integriert. So hat Thomas zum Beispiel Kräuterwanderungen in der Umgebung angeboten. Lena hat mit Massageeinheiten und -kursen verzückt. Gereon stellte sich mit uns sehr tiefgreifend der Frage, wie wir „unseren Lebensweg“ finden, wobei unsere wirklichen Wünsche und Skills klarer wurden. Jeden Tag wurde gemeinsam Fußball gespielt, der Fluss Agger ausgiebig genutzt, miteinander gekocht und gegessen, in Gruppen aktivierende Spiele gespielt und einfach zusammen gesessen. Langweilig wurde es nie, es fanden sich zu jedem Zeitpunkt am Tag teils etwas kleinere Gruppen, zu denen man nach Belieben stoßen konnte und es daher für jeden immer möglich war, sich dort aufzuhalten, wo es sich grade gut anfühlte – oder eben mal alleine sein. 

Auch für mich persönlich hat sich in dieser Woche wieder mal viel bewegt, es war gut dort zu sein. Sehr gut. Nachdem ich die letzten Wochen etwas neben mir stand, tat mir ein Satz von Rosa gestern besonders gut. Sie sehe seit dem Vorabend bei mir Strahlen in den Augen und sei sehr positiv angetan von meiner Ausstrahlung. Das mit der Ausstrahlung habe ich öfter gehört, ich nehme es zur Kenntnis und freue mich sehr darüber. Ich freue mich über den Teil von mir, den ich so gerne habe und der langsam wieder auftaut. 

In einer Umgebung in der jeder immer gut zu jedem ist und niemand Probleme wegen seines Ego’s macht, fällt es leicht sich selbst auch wieder mit Gutem zu füllen. Dafür bin ich dankbar. 

Das UtopieLightning schreit nach Wiederholung! Ich hoffe innig wieder mal Teil einer so herrlichen Gruppe sein zu dürfen und drücke jedem einzelnen der Menschen, die von zuhause fliehen mussten, alle Daumen die ich habe. Ich kann meine Liebe für diese Menschen nicht beschreiben. Ich kann nicht beschreiben, was ich gefühlt habe, als Lohai, einer derjenigen auf der Flucht, weinend und dennoch um keine Träne verlegen, sagte, dass er uns liebe und es ohne uns als große Familie nicht mehr das gleiche Gefühl auf dem Gelände sein werde. Wir sind binnen Tagen zusammen gewachsen. Wir alle. Selbst die, die schon dort hausten, schienen sich innerhalb dieser Woche immer besser kennenzulernen und zu mögen. Der Respekt wuchs bei ein jedem von uns, der Teil dieses Events war. 

Ich bin Sofia und Vamos unendlich dankbar für die Organisation dieser Woche und wünsche mir sehr, dass mehr Menschen den Zugang zueinander suchen und ihre freie Zeit so sinngebend investieren möchten. 

Umso mehr wir geben, desto mehr werden wir haben. 

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