Erleuchtung

Erleuchtung ist der natürliche Zustand des Lebens, nachdem du die unnatürlichen schweren und dunklen Zustände abgestreift hast. 

Im Frühjahr 2015 war mit mir etwas geschehen, ich merkte es unmittelbar nach dem Erwachen in meinem Bett am frühen Morgen. Es muss während der Nacht geschehen sein, oder im Moment des Aufwachens. Seit dieser Szene ist meine Wahrnehmung nicht mehr die gleiche. Sie fühlt sich klarer, fokussierter und umfassender an. Intuitiv verstehe ich seitdem besser, lerne schneller und es gelingt mir besser Vergangenheit und Zukunft keinen Wert zu geben, gedankenlos zu leben und in Phasen, in denen es mir wirklich gut geht, zu manifestieren. Ich fühle mich wie ein kleiner Alchemist im Spieleparadies des Lebens. 

Ich habe angefangen zu bemerken, dass die Dinge ganz in Ordnung sind, wie sie sind und nicht zufällig sind, wie sie sind. Mir wurde deutlich, dass ich derjenige bin, der das Erleben dessen, wie die Dinge sind, kreiert. Ich fange an einen Beitrag zu leisten, weil mein Leben zählt und das, was ich tue, einen Unterschied macht. Der Kontext in dem ich lebe hat sich transformiert, das heißt nicht, dass der Inhalt sich verändert hat. Viele Menschen und Dinge konnten unverändert bleiben, denn was sich verändert hat, ist mein Erleben von alledem. Ich sehe, ich erfinde meinen Platz in der Welt und bin Ursprung der Art und Weise, wie andere mich behandeln. 

Ich habe erst seitdem von Erleuchtung gehört, mutmaße mir nicht annähernd zu, diese meins nennen zu dürfen, bekomme aber langsam ein Gefühl dafür, welches ich hier teilen möchte. Nicht immer war es mir die letzten Monate präsent, teils bin ich wieder von mir abgekommen und erst der härteste Schicksalsschlag in meinem Leben hat mir die Möglichkeit geboten, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. 

Viele scheinen der Auffassung zu sein, dass Erleuchtung ein Gefühl oder Verstehen sei. Ich fühle, dass beides weit gefehlt ist. An Erleuchtung ist nichts Emotionales oder Intellektuelles. Du kannst sie weder von jemanden bekommen, noch irgendwo lernen. Eher noch hat es etwas mit Liebe zutun. 

Es gibt einen Bereich des Erlebens, der mit Worten nicht beschrieben werden kann. Worte können das Erleben erst nach dem Erleben ausdrücken. Sie können es nicht erschaffen. Worte erzeugen nicht Erleuchtung und jene wiederum wird nicht im Verstand erzeugt. Erleuchtung kann nicht durch Anstrengung erlangt werden. 

Erleuchtung kann nur durch Nichtstun erlangt werden. Genau, nichts. Zu dieser meiner These finden wir übrigens in den alten Überlieferungen von Siddharta und weiteren genügend Beispiele. Mit „nichts tun“ meine ich nicht, dass wir lediglich bequem auf dem Sofa liegen. „Nichts tun“ ist auch möglich, während wir hart arbeiten. 

Ja, ich finde es sogar einfacher „nichts zu tun“, während man hart arbeitet. Was ich damit meine, ist, meine Beurteilungen, Meinungen, Haltungen, Überzeugungen und meinen Glauben (später „Zeug“ genannt) sein zu lassen. Dies loszulassen meine ich mit „nichts tun“. Ein Muster, welches ich bei mir immer wieder beobachten kann, während ich besonders monotone Tätigkeiten wie Sport, Spülen oder Rasenmähen ausübe. Für andere ist es ein Grund zu meditieren. 

Tue also, was du im Leben zutun hast, weil du es tust und nicht, weil du davon überzeugt bist, eine hohe Meinung davon hast oder daran glaubst. Was wir aufgrund dessen tun, macht uns blind. Was wir im Leben tun, ist nicht „schwer“, solange wir kein subjektives Zeug hinzufügen. 

Es gibt keine Probleme. Es gibt lediglich Situationen. 

Was wir im Leben tun ist vom Standpunkt letztendlicher Wahrheit aus sicherlich nicht wichtig. Nicht wichtig. Sei leicht, was dein Leben betrifft. Lebe es von Augenblick zu Augenblick und auf eine Art und Weise, dass es nichts ausmachen würde, wenn wir es ignorieren oder morgen etwas darüber in der Zeitung steht. 

Du musst auf dein Leben weder stolz sein, was ich persönlich sogar für eine ungünstige Entwicklung halte, noch dich seiner schämen. Es ist einfach. Du musst es auch nicht beherrschen. Wenn du von Stolz, Scham oder Beherrschung erfüllt bist, bist du nicht Meister deines Lebens; einer dieser drei ist dann Meister. 

Du kannst nicht recht haben und anderen unrecht geben, stolz sein und kontrollieren, deinen Zustand für wichtig halten und darüber hinaus noch erleuchtet sein. 

Erleuchtung ist eher der namenlose Zustand des Lebens, nachdem all jene Zustände, die Namen haben, abgelegt worden. 

Wir spüren immer intensiver, dass wir keine Bedürfnisse haben, die über das hinausgehen, was wir natürlicherweise benötigen: Luft, Nahrung und Liebe 

Wir werden nicht mehr von anderen abhängig, um unser Leben für wertvoll zu erklären. Kritik haftet nicht an uns und wir kritisieren andere nicht. Unser Erleben ist immer mehr, andere zu lieben. Wir begreifen, dass das Leben nicht ernstzunehmen und gleichsam zutiefst bedeutsam ist. Wir wissen, dass andere zu unserem Leben beitragen und werden ihnen dafür Anerkennung zollen. Das, was wir im Leben wirklich besitzen, werden wir erst aufgrund der Bereitschaft, es auch nicht zu haben und es mit anderen zu teilen, besitzen. 

Wir werden im gegenwärtigen Augenblick leben und nicht unseren Erinnerungen an die Vergangenheit oder unseren Plänen für die Zukunft verhaftet sein. Wir werden gelassener und bleiben stehen. Wir fließen mit dem Fluss, nicht mehr dagegen. 

Erleuchtet werden ist für mich ein Prozess, der einhergeht mit verantwortlich sein für das eigene Erleben. Die Welt befindet sich in einem Prozess des bewusst Verantwortlich- und Erleuchtetwerdens, und dies zu erleben ist ein Geschenk, das ich dir geben möchte. 

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