Schuld

Die letzten Monate entwickelte sich bei mir gemächlich ein Unverständnis dafür, dass mir jemand immer wieder „Es tut mir leid“ oder „Entschuldigung“ sagt, ohne dabei jedoch wirklich beabsichtigen zu wollen sein Verhalten zu ändern. Die für mich ehrlichste Form der Entschuldigung. Das hat in mir die Schuldfrage mehrfach ausgelöst und die Frage, welchen Wert die Floskel „Entschuldigung“ noch hat. 

Ich möchte, dass du vollständige Klarheit über die Bedeutung und die Funktion von Schuld in deinem Leben hast. Deshalb sage ich dir ohne Umschweife, was sie ist, und dann, wozu sie dient. 
Schuld ist ein „Gefühl“, welches eine Haltung unterstützt, die „ich bin schlecht“ genannt wird. „Ich bin schlecht“ ist eine Haltung, die der Verstand wählt, um von sich selbst und von anderen akzeptiert zu werden (recht zu bekommen). 

Schuld ist eine Währung, die Leute benutzen, um für das Schlechte zu bezahlen, das sie tun, sich vorstellen zu tun oder sich lediglich vorstellen. 

Was immer es ist, sobald mit ausreichend Schuld bezahlt worden ist, bist du bereit, es wieder zu tun. 

Schuld ist also eine Währung, die Teil eines Verstandes-Spiels ist, das dazu dient, die Wiederholung bestimmter Muster des Verstandes zu rechtfertigen – trotz des Urteils, dass sie schlecht sind. 

Schuld ist deshalb integraler Bestandteil des Kreislaufs: Vergehen-Schuld-Vergehen-Schuld-Vergehen…

Schuld ist für das Beenden einer Sache, die schadet, absolut funktionslos. 

Wenn du in einem Zustand des Schuldigseins aufhörst, geschieht dies trotz Schuld, nicht wegen ihr. 

Schuld ist eindeutig kein ehrliches „Gefühl“, keine ehrliche Emotion. Wenige Emotionen sind ehrlich, aber Schuld ist total unehrlich, und zwar aufgrund der Tendenz zur Wiederholung, die mit Schuld einhergeht. Der Welt sagt die Schuld: „Ich will es nicht wieder tun„. Dem Verstand sagt die Schuld: „Mach weiter, du hast deine Gebühr bezahlt; jetzt kannst du es wieder machen„. 

Falls du dich gefragt haben solltest, was du denn mit Schuld tun sollst, nur dies: Hör‘ auf. Mit was aufhören? Hör‘ auf, dich schuldig zu fühlen. Tue, was immer du tust, abzüglich der Schuld. Niemand kann die Währung Schuld, in der du bezahlst, auf irgendeine die Lebendigkeit fördernde Art und Weise ausgeben. Natürlich können andere aus deiner Schuld Kapital schlagen, und das kostet dich deine Lebendigkeit. Dann kannst du das, was diese dir antun, wieder dazu benutzen weitere Wiederholungen zu rechtfertigen. Schuld hat eindeutig keinen konstruktiven Nutzen. 

Lass dich von mir warnen: Es passiert etwas, wenn du Schuld aus deinem Leben streichst und nur noch tust, was du tust, und dafür die Verantwortung übernimmst. Was geschehen wird, ist, dass du die Übereinstimmung mit denen verlierst, die an deine Schuld als Teil deiner Masche gewöhnt sind. Du wirst Gelegenheit haben, alte Beziehungen umzubauen oder sie ganz zu beenden. Eventuell werden Leute dich sogar verlassen. Wenn eure Beziehung aber auf Schuld aufgebaut ist, wirst du ohne diese Beziehung besser dran sein. 

Der Nutzen, der dir aus dem Fallenlassen der Schuld erwachsen wird, ist perfekte Klarheit darüber, was du im Leben und von anderen Leuten willst. Du könntest dabei sogar herausfinden, dass du anderen wehtun willst, dass dieses Wehtun-Wollen ein Muster deines Verstandes ist. 

Was du in einem solchen Fall tust, ist, größer zu sein als es; Du wirst es beobachten und nichts tun. Du wirst auch Gelegenheit haben, dich angemessen zu verhalten. Wenn du etwas tust, was andere verletzt, wirst du Gelegenheit haben, deine Handlung wirklich aus dem Weg zu räumen, statt dich in dein Zimmer zurückzuziehen, um dich schuldig zu fühlen. 

Du kannst diesem Thema Schuld in deinem Leben nicht gegenübertreten, wenn du nicht bereit bist, dir diese grundlegenden Bedingungen anzusehen. Schuld basiert vornehmlich auf der Angst, der Mensch zu sein, der du zu sein fürchtest. Du kennst ihn. Der, der schüchtern, linkisch ist, andere nicht mag, Ihnen Schlechtes wünscht, keinen Mut hat, dumm ist und so weiter…Dachtest du etwa, du wärst der Einzige? Das bist du nicht. 

Um wirklich mit Schuld umgehen zu können, musst du bis zu deinem Kern vorstoßen: zu dem Menschen, der du zu sein fürchtest. Zu demjenigen, den du mit deinen Schuldgefühlen in Schach zu halten versuchst. Zu dem, für den du nicht verantwortlich sein willst. Wenn du nicht bereit bist, dich mit dem zu konfrontieren, bist du zu lebenslänglicher Haft innerhalb deines eigenen Verstandes verurteilt. Tu dir also selbst und uns anderen einen riesigen Gefallen, indem du dich mit der Kleinlichkeit, derer dein Verstand fähig ist, konfrontierst und die Verantwortung dafür übernimmst. 

Erst wenn du das tust, kannst du erleben, wie groß, wie mächtig, wie wirklich schön dein Leben natürlicherweise ist. 

Unter all dem Zeug, dass du zu sein fürchtest, ist der, der du wirklich bist. Und lass mich dir sagen, ob du es glaubst oder nicht: 
Der du bist, ist wirklich großartig. So sehr, dass all das Zeug, auf das du gewöhnlich stolz bist, total in den Schatten gestellt wird. Derjenige, der unter all dem Zeug ist, ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass er buchstäblich darauf brennt, einen Beitrag zum Leben zu leisten. Jemand, der will, dass es etwas bedeutet, gelebt zu haben. 

Ich möchte, dass du weißt: Der ist es, den du mit Schuld zugedeckt hast. 

(Quelle: Drehbuch für Meisterschaft im Leben)

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