Erkenne deine Muster

Auf der Ebene des Verstandes ist das Leben ein Spiel, dessen Zweck das Überleben ist. Um dieses Spiel mit Erfolg zu spielen, stellen Menschen sich eine Überlebens-Nummer zusammen. Jeder hat so eine Nummer. Sie besteht aus Verhaltensmustern, die auf das Erhalten von ausreichend viel Luft, Nahrung und Liebe abzielen. (nochmal an dieser Stelle der Filmtipp „Revolver

Im Laufe der Jahre werden jedoch viele falsche „Verknüpfungen“ vorgenommen, so dass manchmal schwer zu erkennen ist, dass die Handlungsweise einer Person ursprünglich mit Überleben zutun hatte. 

Es ist unübersehbar, dass die momentane Handlungsweise mancher Leute ihrem Überleben nicht dienlich ist; nur, wir leben oft nicht jetzt. Sehr oft leben wir dann anstelle von jetzt. 

Vielleicht hast du schon bemerkt, dass es Menschen gewissermaßen ein Bedürfnis ist, recht zu haben. Dies ist ein Aspekt der Selbsterhaltung. Genauer gesagt: 

Rechthaben sind Überlebenstricks, die in der Vergangenheit erfolgreich angewendet wurden. Wenn diese in der Gegenwart nicht funktionieren, kann man das verzweifelte Bemühen beobachten, sie dennoch zur Anwendung zu bringen, eben weil sie so stark mit dem verbunden sind, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Tatsache ist jedoch, dass recht zu haben und andere ins Unrecht zu setzen dem Überleben in der Gegenwart normalerweise nicht förderlich ist. Rechthaben ist somit der einzige Zustand, den der Verstand manchmal dem Überleben vorzieht. Manchmal werden Leute sogar in den Tod gehen, um recht zu haben. 

Ein anderer wichtiger Aspekt des Verstandes ist, dass er von einem Zustand des Mangels ausgeht, sodass um das, was vorhanden ist, gekämpft werden muss. 

Innerhalb des Kontextes des Mangels kann ein Mensch nicht gewinnen, wenn ein anderer nicht verliert. Dieser Kontext ist Grundlage des konkurrierenden Wettbewerbs, der natürlich nur gegenüber anderen „Köpfen“ existiert, die auch dem Glauben an den Mangel anhängen. 

Was mit „recht“ gemeint ist, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Urteil, das der Verstand über sich selbst fällt, dass nämlich seine Auffassungen richtig und die der anderen falsch sind. Der Verstand wird alle nur denkbaren Umstände dazu benutzen, die Schlussfolgerung zu untermauern, dass er recht hat.  

Nun gibt es aktives und passives Rechthaben. Passives Rechthaben bedeutet das Heranziehen existierender Umstände zum Beweis des eigenen Rechthabens. 

Aktives Rechthaben meint auf andere Menschen gerichtetes Handeln zum Beweis für die Richtigkeit der eigenen Position. Krieg ist ein besonders krasses Beispiel für aktives Rechthaben. (und Streitgespräche…) 

„Rechtfertigung“ ist jener Vorgang, bei dem der Verstand die Tatsachen so interpretiert, wie es seinem Bedürfnis, recht zu haben, entspricht. 

Rechtfertigung kann alles machen, bis hin zu Veränderung ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sogar Mord kann vom Verstand gerechtfertigt werden. 

Der Verstand ist also eine äußerst hochentwickelte Maschine, deren Entwicklung Millionen von Jahren gebraucht hat. Er hat die Fähigkeit, sich selbst zu schützen und zu reproduzieren; seine bemerkenswerteste Eigenschaft ist jedoch seine Fähigkeit, sich zu erinnern. 

Diese riesige Gedächtnis-Bank, deren Daten zum Großteil zu allen Zeiten unbewusst sind, ist für ein sehr interessantes Merkmal des Verstandes verantwortlich: Sein automatisches Funktionieren. 

Wenn du aufhörst bewusster Beobachter deines Verstandes zu sein, wirst du merken, dass er ganz gut ohne dich überleben kann. Er wird dies automatisch tun, ohne deine Beteiligung, weil dies seine einzige Aufgabe ist. 

Zum Zwecke des Überlebens entwickelt der Verstand so genannte Verhaltensmuster. Diese Muster bleiben, wenn sie unbeobachtet bleiben, automatisch. 

Es ist sogar so, dass die Produktion von Verhaltensmustern eine so stark entwickelte Fähigkeit des Verstandes ist, dass sie einen Großteil des Erlebens des Daseins selbst in Beschlag nimmt und einen immer wieder verwundert fragen lässt: 

„Warum tue ich das eigentlich?“ oder „Warum verhalte ich mich nur so?“ 

Normalerweise interessieren uns diese Muster nicht besonders. Unsere Verstandes-(Körper-)Maschine tut einfach, was ihrem Überleben förderlich ist. 

Manchmal sind unsere Verhaltensmuster jedoch der Grund für schmerzliche Erfahrungen in unseren Beziehungen. Einige unserer Verhaltensmuster verweisen auf Beziehungen, die wir in der Vergangenheit gehabt haben. 

Im Rahmen dieser Kern-Beziehungen werden Verhaltens- und Gefühlsmuster geformt. Das kennzeichnende Merkmal dieser Beziehungen ist, dass der Verstand eine Verbindung zwischen den Eigenarten dieser Beziehung und der Selbsterhaltung hergestellt hat. Beziehungen, die die Erfüllung eines oder beider primären Überlebensbedürfnisse (Nahrung und Liebe) beinhalten, werden vom Verstand genauestens aufgezeichnet, um ausfindig zu machen, wie befriedigende Beziehungen, d.h. Beziehungen, die das Überleben sichern, in der Zukunft zusammenzustellen sind. 

Daran arbeitet deine Verstandesmaschine wirklich mit Überstunden. Das Ergebnis sind Verstandesmuster, die auf dem basieren, wovon der Verstand annimmt, dass es früher passiert ist, und die dann auf neue Beziehungen übertragen werden. 

Natürlicherweise bilden Eltern und die von uns geliebten Menschen den „Kern“, um den herum Überlebensmuster geformt werden. Neue Menschen, die in dein Leben kommen, pflegen von der Verstandesmaschine als im Wesentlichen deinen Eltern ähnlich wahrgenommen zu werden. 

Nun, ganz gleich, wie befriedigend deine Beziehung zu deinen Eltern war oder ist: 

Wenn du dir nicht bewusst wirst, mit wem du jetzt zusammen bist, bist du in ganz schönen Schwierigkeiten. Ich garantiere dir, dass die Person, mit der du derzeit zusammen bist, anders ist und möchte, dass du das merkst. 

Wenn du dich ihm oder ihr gegenüber quasi automatisch verhältst, läufst du Gefahr, die besondere Qualität der Beziehung einzubüßen, wenn nicht sogar die Beziehung überhaupt. 

Der Verstand hat nicht die Fähigkeit andere direkt zu erleben oder zu lieben. 

Er kann lediglich aufzeichnen und reagieren. Eine Beziehung, die gut laufen soll, erfordert deine Teilnahme. 

Dein Verstand wird dich nicht erfolgreich vertreten können. Ihm sind nur die mechanischen Bewegungen einer Beziehung zugänglich. 

Der Verstand „braucht“, und vom Zustand des „Brauchens“ aus kann man nicht lieben. 

Du kannst nicht lieben, wen oder was du brauchst.  
Um die Liebe zu einem Menschen immer wieder erleben zu können, ist es also notwendig, den Verstand genau und wachsam zu beobachten. 

Andernfalls wirst du unbewusst, behandelst andere automatisch und die Liebe stirbt aufgrund deiner mangelnden Teilnahme. Das ist das natürliche Ergebnis der unbeobachteten (unbewussten) Verstandesmuster. 

Nur du hast die Fähigkeit, zu beobachten. Du kannst dich nicht darauf verlassen, dass dein Verstand das schon für dich erledigen wird, da es nicht zu seinen Möglichkeiten gehört, sich selbst zu beobachten. 

Quelle: Drehbuch für Meisterschaft im Leben, Kapitel Grundlegende Struktur des Verstandes 

Dort, wo wir nicht sein möchten, wenn wir uns unwohl und in die Enge getrieben fühlen, wird er uns begegnen. Dann haben wir die Möglichkeit zu beobachten und uns neue Verhaltensmuster anzutrainieren. 

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