Lektionen mit ihr: #7 Intuition

In dieser Reihe möchte ich beschreiben, was die Beziehung zu ihr mich über Liebe, das Leben und mich selbst gelehrt hat. Während der letzten Monate konnte ich immer wieder den gleichen inneren Kampf beobachten, zwischen Kopf (Ratio) und Bauch (Intuition). Nicht selten hat der Kopf letztendlich bestimmt, wirklich zufriedenstellend war das Ergebnis dabei selten. Im Nachhinein muss ich mir mehrmals die Frage stellen, was dieses unbändige Gefühl in meinem Bauch für eine Rolle spielt. Es muss eine große Rolle sein, vielleicht sogar die Hauptrolle auf der Bühne meines Lebens. Da bin ich mir sicher. Ich bezeichne mich nämlich als einen ausgeprägt intuitiven Menschen. Die Sorte, für die sich der Weg im Gehen zeigt. Die Sorte, die allerlei Antworten in sich selbst findet. Wie so oft zeigte sich mir der Wert von etwas (in diesem Fall meine bis dahin ausgeprägte und handlungsmotivierende Intuition) dann besonders, als ich es verlor. Bzw. vernachlässigte und ignorierte. 

Die Intuition ist die Fähigkeit Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen. Intuition ist ein Teil kreativer Entwicklungen. Der die Entwicklung begleitende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen. (Siehe hier für Allgemeine Aspekte der Intuition

Der Phänomenologe Hermann Schmitz bezeichnet Intuition als Fähigkeit zum Umgang mit vielsagenden Eindrücken, mittels derer Situationen ganzheitlich verstanden und bearbeitet werden können. 

Als grundlegende menschliche Kompetenz verstanden, ist Intuition die zentrale Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und zur angemessenen Reaktion bei großer Komplexität der zu verarbeitenden Daten. Sie führt sehr oft zu richtigen bzw. optimalen Ergebnissen. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass man mit der Intuition manchmal − und nicht zuletzt in komplexen Situationen − zu besseren Entscheidungen kommt als mit dem bewussten Verstand. Die Theorie dahinter: Das Unbewusste ist in der Lage, weitaus mehr Informationen zu berücksichtigen als das Bewusstsein, das zwar sehr präzise ist, jedoch mit nur wenigen Informationen zurechtkommt.


Neuere Forschungen ergeben, dass dort, in jenen dem Willen unzugänglichen Räumen, auch allerlei Nützliches verborgen liegt, als geheimer Erfahrungsschatz, der intuitiv genutzt werden kann. „Gute Intuition ignoriert Informationen„, sagt Professor Gerd Gigerenzer, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut (MPI) für Bildungsforschung. „Ich definiere Intuition durch drei Komponenten„, erläutert er. „Zum ersten ist sie ein Urteil, welches schnell im Bewusstsein ist. Es ist einfach da. Zum zweiten ist sie stark genug, um unser Handeln zu leiten. Zum dritten, und dies ist der wesentlichste Punkt, ist Intuition ein unbewusster Prozess.“

Ich habe meine Intuition in den vergangenen Monaten oftmals ignoriert, weil der Wunsch oder die Sehnsucht nach etwas damit nicht im Einklang war. Das hat dazu geführt, dass ich damals schon gespürt habe, es heute rückblickend aber sicher weiß, dass ich nicht mehr im Einklang mit mir war. Das zeigte sich dadurch, dass meine Stimmung gerne wankte oder ich mich immer wieder in Situationen begeben habe, die ich eigentlich nicht wollte und mir schlecht taten. Hat was von mentaler Selbstverletzung finde ich, wenn man etwas zulässt, was einem weh tut. Ich verlor das Gefühl aus den Monaten zuvor, dass ich einen roten Faden lebe, alles miteinander stimmig ist und es sich genau so richtig anfühlt. Nicht immer schön oder selbstbestätigend, aber eben richtig. Sinngebend. So vieles passierte, was gefühlt so nicht hätte passieren müssen und sollen. Dinge liefen aus dem Ruder. Ich möchte nicht sagen, dass die Dinge keinen Sinn hatten. Das hatten sie, aus Fehlern kann man schließlich lernen. Das starke erlebte Gefühl dabei, dass es sich volles Rohr falsch anfühlte wird mir in Zukunft helfen die Situationen prophylaktisch zu vermeiden oder situativ damit anders umzugehen. 

Nun wird es Zeit wieder auf Bauch und Herz zu hören, wenn schon nicht während einer mehrjährigen Auszeit, wann dann. Unser Gefühl ist seit jeher so konstant und kräftig, dass es unser Handeln leiten kann und vor allem ein viel stabilerer Halt zu sein scheint, als alles im Äußeren. Jede Beziehung oder gewohnte Struktur im Alltag. Unsere Intuition ist zuverlässig, kann weiter und tiefer geschult werden durch Übung und ist das, worauf wir uns bei Entscheidungsfindungen berufen können. 

In dem Film „Waking Life“ wird thematisiert, dass sämtliche Instinkte aus einer Art kollektivem Erinnerungsvermögen stammen, welches bis zu eine Millionen Jahre zurück reicht. Bei allen Lebewesen. Deswegen bauen Biber auf der ganzen Welt die gleichen Dämme. Weil wir nahezu nichts erleben werden, was nicht schon dutzende vor uns gemeistert haben. Ich denke unsere Intuition ist Teil dessen. Ein unfassbar gigantischer Pool an Informationen steht bereit, wurde bereits zigfach erfahren und ergänzt, auf den wir nur zurückgreifen zu brauchen. Was soll es verlässlicheres geben?

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