Der Wert von Freundschaft

Als ich am 14. Oktober letzten Jahres meine Heimat gen Wien verlassen hatte, war für mich klar, dass die Hauptstadt Österreichs nur der erste Schritt auf dem Weg einer langen Tramperfahrung Richtung Indien sein werde.
Irgendwie kristallisierte sich aber doch heraus, dass ich nicht weiter kommen und es mich entgegen meiner anfänglichen Idee immer wieder nach Deutschland und vor allem in meine Heimat ziehen sollte. Mich zieht es derzeit nicht in die Ferne, wenngleich ich weit entferntes Reisen während meiner aktuellen „Auszeit“ anpeile und es mich unter gewissen Umständen weiterhin sehr reizt.

Vor dem Reiseantritt hatte ich bereits ein Gefühl dafür bekommen, was in mir wohl die meisten Sehnsüchte erwecken würde. Meine Freunde – das, was mir im Leben am wichtigsten ist. Für mich haben Freundschaften, die guten und intimen, den größten Stellenwert im Leben.
Ich bin derzeit wahnsinnig froh darüber, dass sich für mich ein Weg ergeben hat, durch den ich reisen und beliebig lernen kann, ohne dabei auf meine Freunde als Begleitung zu verzichten.
Über ein Dutzend mal habe ich bereits meinen Wohnort im Laufe meines Leben wechseln müssen, dabei sind vor allem in den Kinder- und Jugendjahren einige vermeintlich wichtige Beziehungen verloren gegangen, was ich an dieser Stelle weder bedauern, noch anprangern möchte – aber es hat mir eben geholfen die Relevanz von bleibenden Freundschaften höher einzustufen, ohne mich abhängig oder gebunden zu fühlen.

Erst in den letzten Jahren haben sich die Menschen in mein Leben dazugesellt, deren Gesellschaft ich heute nicht mehr missen möchte. Menschen, die mich lange begleitet haben, durch tiefe Emotionen mit mir gegangen sind, mich auf meinem Weg bekräftigt und wo auch nur möglich unterstützt haben. Wirklich innige Freundschaften sind dabei entstanden, die mir stets Halt geben. Die im Geiste immer anwesend sind, auf jede unserer raren Nachrichten folgen authentische und offene Gefühle, jedes mal habe ich mich auf sie verlassen können und mit Freude denke ich an das Band, welches uns verbindet.
Freunde, die mir das Gefühl geben so richtig gut zu sein. Die wirklich wissen, wer ich bin. Selbst dann, wenn ich es beim Blick in den Spiegel manchmal zu vergessen scheine, erinnern sie mich an die Melodie in meinem Herzen. Dafür bin ich ihnen so dankbar, wie ich es nur sein kann.
Wir müssen uns dafür längst nicht mehr regelmäßig treffen, dieses Stadium liegt hinter uns, denn zu jedem Zeitpunkt werden wir füreinander da sein, ohne jegliches Verpflichtungsgefühl.
Wir hören einander zu und sind dabei, wenn wieder ein Tiefschlag durchlitten wird. Wir teilen in Gemeinschaft die schönsten Erinnerungen, das Überwinden von Lebenskrisen, die ersten Pilztrips, das Erkennen neuer Wahrheiten, den Weg zur Weisheit und zum Erwachsenwerden. Wir stehen uns mit Rat und Tat zur Seite, öffnen uns gegenseitig wieder die Augen für das Wesentliche und ziehen alle mit beim Streben nach Erfolg. Gute Freunde sind die Stützen im Leben eines Erwachsenen, können eine ewige Konstante sein.

Vor allem heute, da Jobs und Partner häufiger wechseln und auch nicht mehr jedermann eine eigene Familie gründet, wirken Freundschaften für mich in unserer Gesellschaft zunehmend wichtiger. Dabei ist es grundlegend, dass wir sie – ebenso wenig bitte wie alles andere im Leben – nicht als selbstverständlich betrachten. Freundschaften müssen gepflegt werden, immer wieder, wie auch die Liebe zum Partner. Es gibt wohl keinen Punkt, an dem das Ganze zum Selbstläufer wird und das ist auch sinnvoll, um einen kontinuierlichen Wert zu erhalten.

Mediziner beschäftigen sich mittlerweile mit den Belegen zum gesundheitlichen Mehrwert von sozialen Beziehungen. Sie können uns vor Krankheiten bewahren und unser Leben verlängern.
Freunde zu haben, die in einem sehr gute Empfindungen triggern ist auf vielen Ebenen immens wichtig, auch um als Mensch in seiner Gesamtheit in Erscheinung zu treten und sich entfalten zu können. Gute Freunde sind Übungsfelder für das Entwickeln der eigenen Persönlichkeit, um Verzeihen zu lernen, sich näher auf andere Menschen einzulassen und nicht zuletzt sich selbst zu reflektieren auf einer ehrlichen Weise, wie man es womöglich von niemand anderem hören möchte.

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