Nachhaltigkeit – Was ist das eigentlich?

Meinen ersten Artikel möchte ich dem Wort Nachhaltigkeit widmen. Es ist heutzutage allgegenwärtig, aber meint der Begriff auch immer das selbe?
Das Wort Nachhaltigkeit taucht im deutschen Sprachgebrauch erstmals 1713 auf. Hans Carl von Carlowitz spricht in seinem Werk „Silvicultura oeconomica“ davon, dass nicht mehr Holz eingeschlagen werden darf, als nachwächst. Damit taucht der Begriff der Nachhaltigkeit erstmals im Zusammenhang mit der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder in Deutschland auf.
Um die Nachhaltigkeit zu definieren, wird oft das sogenannte Drei-Säulen-Modell verwendet. Dieses Modell basiert auf der Erkenntnis, dass für eine dauerhaft stabile Gesellschaft die drei Komponenten Ökologie, Ökonomie und Soziales essenziell sind. So wird die Nachhaltigkeit von intakten Ökosystemen, einer dem Wohle der Menschheit dienlichen Ökonomie und funktionierenden sozialen Strukturen getragen. Alle Komponenten sind dabei gleichermaßen zu berücksichtigen.
3SäulenBILD

In der Realität ist es jedoch schwer eine Geleichgewichtung der Komponenten zu realisieren. Je nach Perspektive wird den verschiedenen Bereichen ein höheres Maß an Aufmerksamkeit zugewendet. So gibt es Umweltschützer, die den Schutz der Umwelt als oberstes Ziel haben. Es gibt Unternehmer/Finanzakteure, die eine Maximierung des monetären Gewinns als wichtiges Ziel sehen. Außerdem gibt es Akteure, die eine Stärkung sozialer Strukturen vor allem anderen verfolgen. Da sich die Bereiche in unserem heutigen System durchaus stören können, stehen die Akteure oft vor Zielkonflikten. So kann ein Unternehmer bei maximaler Gewinnorientierung schwer gleichermaßen eine Erhaltung der Ökosysteme und der sozialen Standards gewährleisten.

Perspektive

Die Perspektive in Bezug auf die Nachhaltigkeit hängt weiterhin ab von kulturellen, sozialen, gesetzlichen, politischen und religiösen Voraussetzungen in den unterschiedlichen Regionen auf der Erde. Da es keinen internationalen und allgemeingültigen Indikator für die Gleichgewichtung dieser  drei Komponenten gibt, kommt es oft zu Missverständnissen und Zielkonflikten in der globalen Politik.

Diese Situation ist dafür verantwortlich, dass zahlreiche Definitionen für den Begriff Nachhaltigkeit existieren. Daher zielen viele Definitionen nur auf Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab, die der Perspektive entsprechen.
Mittlerweile identifiziert sich nahezu jedes Unternehmen nach außen mit einer nachhaltigen Entwicklung. Oft fehlt hier aber eine konkrete Definition und eine echte Nachhaltigkeitsstrategie. Es gehört also zum Image, wenn RWE und Eon auf ihrer Website Bilder von grünen Landschaften mit Windkraftanlagen und Solarkollektoren  werben. Bilder vom Braunkohletagebau oder Atommeiler fehlen dort. Um nur mal zwei Beispiele aus der Energiebranche zu nennen. Die Liste könnte ewig fortgeführt werden.
Wenn in der Wirtschaftspolitik von nachhaltigem Wirtschaftswachstum gesprochen wird, bedeutet dies einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg zu generieren und berücksichtigt dabei nicht gleichermaßen die Komponenten Ökologie und Soziales.

Aus diesen Gründen und vor allem, weil der Komponente der Ökologie zu wenig Beachtung gegeben wird, steht das Drei-Säulen-Modell in der Kritik. Von vielen Experten wird eine Modifizierung des Modells angestrebt. Ein neues Drei-Säulen-Modell könnte folgendermaßen aussehen ( verändert nach Prof. Stahlmann):
modifiziert 3Säulen
In diesem Model wurde die Säule Ökologie mit der Kultur ausgetauscht. Die Kultur ist eine weitere tragfähige Komponente für nachhaltige Entwicklung. Die Ökologie (funktionierende Ökosysteme, natürliche Ressourcen und das Klima) wird zum Fundament, auf denen die Säulen stehen, die die Nachhaltigkeit tragen. Hiermit wird die Wichtigkeit der Ökologie unterstrichen. So bauen die Bereiche Ökonomie, Kultur und Soziales direkt auf der Ökologie auf und sind von dieser abhängig.

Das vorige Drei-Säulen-Modell kann man auch als Modell für die schwache Nachhaltigkeit sehen. Die schwache Nachhaltigkeit zeichnet sich durch folgende Punkte aus:

  • vorallem Betrachtung von ökonomischen und finanziellen Größen
  • geht davon aus, dass Naturkapital komplett substituierbar ist

Das modifizierte Drei-Säulen-Modell vertritt durch seine Gewichtung zur Ökologie die starke Nachhaltigkeit. Die wichtigsten Punkte für die starke Nachhaltigkeit sind:

  • Ressourcen werden nur in dem Umfang genutz, in dem sie sich regenerieren können
  • Fossile Energiequellen und andere erschöpfbare Ressourcen dürfen nicht genutzt werden, da sie sich nicht regenerieren können und das Naturkapital vermindern
  • Die Höhe der Emissionen darf nicht höher sein als die Aufnahmekapazität der Umwelt
  • Außerdem sind Emissionen von nicht oder schwer abbaubaren Schadstoffen auf ein Minimum zu reduzieren

Da diese Unschärfeprobleme in der Bedeutung von Nachhaltigkeit vorhanden sind, wurde in diesem Artikel ein kurzer Überblick über die Problematik gegeben. ANBOKAMI unterstützt die starke Nachhaltigkeit und verwendet synonym zum Begriff der „Nachhaltigkeit“ auch die „Enkeltauglichkeit„.

Ganz nach Mark Twain:
„Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen.“

Quellen:
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/definitionen_1382.htm  https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/1_3_a_drei_saeulen_modell_1531.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit

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