Fünf Aha-Momente, die ich mitnahm

Die vergangenen beiden Jahre reite ich gefühlt auf einer einzigen (Flow-)Welle, unterschiedlich ausgeprägt, aber zu keinem Zeitpunkt abhanden gekommen.

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich einige radikale Veränderungen in meinem Leben vorgenommen, die erst den Raum dafür geschaffen haben, dass wundersame Dinge passieren können: die innerliche und äußere Abkehr vom „großen Traum“ Karriere; aufhören einem fernen Ziel hinterherzujagen und meinen Tag danach zu richten, meinen Lebenslauf danach zu gestalten; mich dem zu beugen, was andere für mich als angemessen hielten, aber gegen mein erstes inneres Gefühl war (Erwartungen der Eltern, Vorgaben von Vorgesetzten und Dozenten, Mitmachen im Freundeskreis …). Schluss mit der Einstellung „Ich warte auf Morgen„, dadurch habe ich schon zu viele Tage verloren.
Bis heute habe ich seit dem rasant eine ganze Menge erleben dürfen und einige Aha-Momente mitbekommen, die in mir Überzeugungen auslösten, welche zu Gewohnheiten führten, die wiederum meinen persönlichen Wandel in Gang setzten.
Die wahrscheinlich schönste Kausalkette der Welt, weil jeder davon profitiert 🙂

1) Es gab kaum Meinungsverschiedenheiten bei den relevanten Angelegenheiten in meinem Leben. Es gab aber eine ganze Menge Menschen, die eine andere Perspektive auf das hatten, was in mir vorging oder was ich äußerte. Ich formuliere es für mich bewusst so und habe entschieden, dass der Unterschied darin liegt, dass ich Menschen mit einer anderen Meinung oft habe versucht zu bekehren, mich selbst zu verteidigen oder es – das nachhaltig schlimmste – persönlich genommen habe. Das hat oft die Beziehung zueinander belastet, weil ich aus dem Gespräch mit einem Laster gegangen bin, einem Koffer, den ich zu tragen hatte – und sei es lediglich ein negatives Gefühl.
Hat nun jemand eine andere Perspektive als ich, setzt das für mich voraus, dass ich nachvollziehen kann, warum dies so ist. Was führt ihn dazu, dass er das sagt oder denkt, dass er so empfindet? Jeder Gedanke hat doch irgendwo erstmal seine Daseinsberechtigung, aber vor allem seine Vorgeschichte. Assoziationen mit Erfahrungen vielleicht, die gar nichts mit mir oder der aktuellen Situation zutun haben.
Bei Meinungsverschiedenheiten versuche ich oft Zwangsbeglückung, jemanden also davon überzeugen wollen, was richtig oder gut für ihn ist. Das funktionierte noch nie, bei keinem. Ich kann durch Argumente, Druck oder eine Bitte bewirken, dass jemand sein Handeln ändert, aber wie langfristig wird das sein? Dafür muss ich tiefer ran, an seine Einstellung, sein Denken. Das geht nur aus jedem selbst heraus, einen anderen Weg gibt es nicht sich zu ändern.
Und das funktioniert bei ein jedem von uns nicht anders, als bei Kindern. Wir orientieren uns an anderen, um zu wissen, was es gibt und was davon wir brauchen. Wir brauchen Vorbilder oder Mentoren. Jemanden, der uns inspiriert sich zu verändern. Wir erkennen das Glück in seiner Perspektive, die Dinge zu betrachten.

2) Wenn Ich jemanden oder Gesagtes nicht beurteile, sondern akzeptiere, ohne dass es etwas mit mir macht, behalte ich mir eine Distanz zum Geschehen. Emotionen werden es schwieriger haben, mich zu beeinflussen. Ich denke nicht in Extremen, ich schließe weder etwas kategorisch aus, noch ist es für mich die einzige Wahrheit.
(Die eine Wahrheit, sucht euch das Thema aus, scheint eine unendliche Suche zu sein. Auf welchem Gebiet gibt es nicht mindestens eine Koryphäe, welcher einer anderen widerspricht?)
Meditation hat mir dabei geholfen, gelassener zu werden. Denn für diesen Punkt brauchen wir eine gewisse innerliche Grundausgeglichenheit, das wird schwierig ohne Gelassenheit. Die geübt werden muss, nicht durch Warten erlangt wird. Mir hat es geholfen von Bekanntem loszulassen, flexibler zu werden, meine eigene Ausgangssituation bewusst und beliebig zu verändern, neue Herausforderungen im Alltag zu suchen, jeden Tag. Niederschläge zu kassieren und weiter zu machen, immer weiter.
Zur Ausgeglichenheit meditieren mag jeder, wie er möchte. Ich meditiere gerne im Tumult, dann, wenn meine Gedanken rasen möchten, wenn ich im Gespräch bin. Damit die Waage bestehen bleibt und Negatives sich nicht stapeln kann.
Andere nehmen sich dafür gerne bewusste Pausen im Alltag. Ich hatte für mich das Gefühl, dass wenn ich mich abends gezielt zum Meditieren einrichte, ich zuvor am Tag bereits zu viel aufgeladen hatte. Zu oft den Kopf geschüttelt, etwas verneint habe oder unzufrieden war.

3) Ich mache, was mich glücklich macht.  Ich vermeide konsequent, was mich unglücklich macht.
Dieser Punkt ist für mich so immens wichtig und doch ist mir bewusst, wie oberflächlich er überall zu lesen und hören ist. Hier drin steckt der Kern meiner Wandlung. Alles was wir denken, sagen und handeln manifestiert sich in irgendeiner Weise (von abstrakt bis spürbar). Zum Beispiel indem ich mir etwas einrede, es letztendlich glaube, davon überzeugt bin und es rechtfertige. Zum Beispiel indem es etwas Negatives in mir aufwirft, ich es mit mir trage, es durch chemische Prozesse Stress im Körper auslöst, der dann mein Immunsystem schwächt oder mich gar krank macht. Das meiste was wir denken, sagen und handeln wird durch irgendwas zuvor getriggert, aufgrund einer Ursache entscheiden wir uns zu einer Reaktion, einer Wirkung. Diese Trigger können Positives oder Negatives bewirken. Aus Negativem entsteht niemals etwas Positives.
Für mich war es also unentbehrlich mich mehr mit Positivem zu umgeben, mit Menschen deren Anwesenheit mir gut tut, die schöne Empfindungen in mir auslösen, schöne Musik zu hören, das was ich gerne mache zu genießen und mir Zeit dafür zu nehmen.
Dafür habe ich langsam losgelassen von Menschen, die mir weniger gut taten, in deren Anwesenheit mir keine schönen Gedanken kamen, habe weniger melancholische oder aggressive Musik gehört und mit und mit abgegeben, was in mir Stress gefördert hat (Arbeit, Verpflichtungen eines Auto, Verträge die mich binden…). Interessant hierbei ist rückblickend, dass das was ich aufgegeben habe, das war, was ich zuvor immer gerne gemacht habe. Die engsten Freunde sind nicht mehr engste Freunde, mit der eigenen Mutter habe ich kaum noch Kontakt, meine ehemalige Lieblingsmusik ist nicht mal mehr auf dem Handy drauf und ich fahre meinen Ford Fiesta aka Porsche nicht mehr. Weil das Positive dabei nüchtern betrachtet nicht dominant überwogen hat.

4) Ich gebe das Glück in mir weiter. Ich helfe anderen, versuche es nicht nur.
Ich habe die Haltung, dass wenn ich nicht das Leben anderer besser mache, mit dem was ich tue, dann verschwende ich meine Zeit.
Hätte ich die Meinung, würde sich das Ganze auf kognitiver Ebene abspielen. Habe ich die Haltung, dann ist es verknüpft mit meinem Selbstkonzept, mit mir als Person, mit dem was ich an Handlung an den Tag lege.

5) Wir können nicht jedem helfen, zumal sich jeder auch selbst helfen muss.
Während meiner Tätigkeit in der Psychiatrie habe ich einen Einblick darin erhalten dürfen, wie viele Krisen ein Mensch erleben kann. Was mir die größte Hürde erschien, war den Menschen zugänglich zu machen, woraus ihre Situation resultierte und was sie selbst an sich ändern sollten, um Besserung/Veränderung zu verspüren. Es gibt keine Probleme, sondern lediglich Situationen. Körperliche Gewalt ausgenommen, die außerhalb des eigenen Spielraums entsteht.
Alles weitere (Angst, Mitleid, Sehnsucht, Gier, Neid, Hilflosigkeit…) entstammt aus unserem eigenen Kopf, und wer soll den bitte beeinflussen können, wenn nicht wir selbst?
Das bedeutete für mich auch, dass ich mich davon trennen musste Patienten, Freunden und Eltern bei Schwierigkeiten zu helfen, wenn sie selbst nicht den ersten und die größten Schritte gehen wollten. Wir sind hier wieder beim Thema Zwangsbeglückung, die letztendlich in diesem Fall dazu führte, dass ich mir selbst Negatives auflud und sowohl Zeit als auch Kraft verschwendete. Dem anderen ist nicht geholfen und mir geht es schlechter, weil mich vielleicht Vorwürfe plagen, weil ich mir Schuldzuweisungen mache oder enttäuscht von mir oder ihm/ihr bin.

Ich kann mir nun nach zwei Jahren mit einem wahnsinnig breiten Lächeln darüber bewusst werden, dass meine (alten und neuen) Freundschaften intensiver und himmlischer sind, als alle zuvor bekannten; dass die Beziehung zu meiner Mutter nicht mehr auf Routine, aber auf Vertrauen beruht und sie sieht, wie zufrieden ich bin und dadurch selbst glücklicher wird; dass es verdammt chillig ist mit’m Rucksack auf dem Rücken zu trampen, statt ein eigenes teures Auto zu fahren; dass die Liebe berauscht ohne Ende, wenn keine Besitzansprüche fallen; dass die neue Musik in meinem Leben wesentlich geiler ist als die zuvor; dass weniger besitzen mehr genießen bedeuten kann; dass mit weniger Materiellem leben nicht weniger zufrieden, sondern mehr frei macht und weniger für Lohn arbeiten Möglichkeiten öffnet; dass das meiste im Leben eine Frage der eigenen Prioritäten und nicht zuletzt der Perspektive ist.

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